Selbständige und miteinander vernetzte Hausgemeinden

 

1. Hausgemeinden sind autonom

Sie sind autonom im Sinne von selbständig, eigen gesetzgebend und unabhängig von anderen Gemeinden am Ort oder in der Stadt.  Jede Hausgemeinde versteht sich als eine eigene Gemeinde und nicht als ein Teilbereich einer Gemeinde. Natürlich wird sie sich richtigerweise auch als ein Teil der Orts-/Stadt-, bzw. der weltweiten Gemeinde Jesu sehen.

Ihre Unabhängigkeit zeigt sich zunächst im individuellen Wachstum und in einer einzigartigen Gestalt, sowohl nach Innen, als auch nach außen.  Jede Hausgemeinde entwickelt dementsprechend eigene Gewohnheiten und erreicht eine starke individuelle Ausprägung in den Werten und Normen, die das Gemeindeleben maßgeblich bestimmen. Wenn innergemeindliche Konflikte erfolgreich bewältigt wurden und eine klare Vision entstehen konnte, wird sich die einzelne Hausgemeinde in einem starken eigenen Charakter und einer sichtbaren Einheit zeigen.  In Apg. 4, 32 hören wir von der ersten Gemeinde: Sie waren "ein Herz und eine Seele" - und sie trafen sich "hin und her in den Häusern".

 

2. Hausgemeinden sind sehr verschieden

In bestimmten HG ist es üblich vor dem Gottesdienst zu essen, in anderen wird die Mahlzeit erst nach dem Gottesdienst eingenommen. Die einen treffen sich jeden Sonntag zu einem besonderen Feiergottesdienst, die anderen haben mehrere Treffen unter der Woche. Die einen beziehen die Kinder direkt in den Gottesdienst mit ein, die anderen machen besondere Veranstaltungen  für die Kinder in einem anderen Raum. Manche HG feiern Geburtstage in der Versammlung, andere machen Geburtstagspartys. Bei machen HG wird interaktive Bibelarbeit gemacht, die anderen arbeiten mehr thematisch, usw..... Jede HG entwickelt eine eigene unabhängige Prägung, die sie unverkennbar und original macht in Gestalt, Größe und Charakter. Das kann sich auch in der Altersstruktur und in der psychosozialen Zusammensetzung deutlich zeigen. Keine HG ist wie die andere, es gibt keine Duplikate.

 

3. Hausgemeinden sind typisch

 Trotzdem hat jede echte Hausgemeinde auch eine typische und gleiche Ausprägung. Wo das Gemeindeleben nach neutestnamentlichem Muster gelebt wird, zeigt sich immer der selbe Gemeindecharakter. Dieser wird in jeder Hausgemeinde vorhanden sein, auch wenn die Individualität stark gelebt wird. Er bezieht sich auf die Offenbarung und reale Wirksamkeit Gottes in seiner Gemeinde (Mt.18,16) und wird nach biblischem Vorbild durch apostolisch- prophetische Lehre überall gleich vermittelt. Jede Hausgemeinde muss auf dem „Felsen Jesus Christus“ aufgebaut sein, um Gemeinde zu sein. Gemeinde entsteht erst da, wo Jesus als der Messias erkannt wurde und angebetet wird. Dort wird das Wesen und der Charakter Jesu im Leben der Gemeinde- mitglieder nach außen dringen und die Beziehung zu Gott und zu den Menschen bestimmen . Wenn das geschieht, entwickelt sich ein genetischer Code, die DNA der Gemeinde. Sie bedeutet (nach Neil Cole):

D =  Divine truth                      (Göttliche Wahrheit, das Wort Gottes)

N =  Nurturing                         (Liebe zu Gott und untereinander)

A =  Apostolic Passion            (Apostolische Leidenschaft, Mission)

Sie findet sich in allen Hausgemeinden gleichermaßen und ist lebensnotwendig für deren Fortbestehen.

 

4. Hausgemeinden sind vernetzt

Des weiteren gehört eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit mehrerer HG untereinander dazu, damit sich die einzelne Hausgemeinde gesund entwickeln kann. Entweder wird sich eine HG anderen in einem Netzwerk anschließen, oder aber sie entwickelt ihr eigenes Netzwerk Wer sich absondert, so sagt die Bibel sucht sein eigenes Begehren. Das trifft auch auf HG zu. Gesunde HG machen sich freiwillig bis zu einem gewissen Maß von anderen HG abhängig. Wie in einer Partnerschaft, gehen sie einen Bund ein, der gegenseitige Rechte und Pflichten beinhaltet. Das, was auf der Ebene der einzelnen Hausgemeinde an Verbindlichkeit der Glieder untereinander stattfindet, das vollzieht sich auch auf der zweiten Ebene, der einzelnen Hausgemeinden als Glieder untereinander, in einer anderen Art. Wie eine Familie, die zu einem größeren Verwandtschaftsverband (Sippe) gehört, so weiß sich auch die einzelne Hausgemeinde zu einem größeren Verband zugehörig. Mehrere Sippen bilden einen Stamm, mehrere Stämme ein ganzes Volk. So vernetzt sich auch die Hausgemeinde von der Familie bis hin zum Volk Gottes in der Region, bzw. im Land.

Die Autonomie der HG wird also durch einen freiwilligen Akt eingeschränkt, und ist damit eine abhängige Unabhängigkeit. Um der Einheit in der Vielfalt willen und wegen des Vorteils der Förderung durch die anderen lässt sich die HG  freiwillig beschneiden. Sie ist autonom, aber nicht souverän - selbständig aber nicht unabhängig - einzeln aber nicht ohne die anderen. Aus den augenscheinlichen Nachteilen ergibt sich auf lange Sicht ein größerer Vorteil - die Gaben, die Hausgemeinden werden „zum Nutzen aller“ (1.Kor.12,7).

Wahre Liebe macht sich vom anderen abhängig. Loslösung vom anderen ist egoistisch. Jesus hat sich ganz vom Vater abhängig gemacht und hat sich uns verpflichtet, deshalb starb er für uns am Kreuz und konnte uns damit erlösen.

 

5. Hausgemeinden sind ausgewogen

In einem Netzwerk freiwilliger Beziehungen werden die einzelnen Hausgemeinden auch ein Verlangen nach gemeinsamen Veranstaltungen haben. Um nicht in Isolation und Eigenwilligkeit zu enden, sucht die einzelne Hausgemeinde den fruchtbaren Austausch mit den anderen Hausgemeinden. Man lernt voneinander und begegnet sich auf einer Ebene von gegenseitigem Respekt in gemeinsamen Veranstaltungen. Das schützt die einzelne HG vor Verirrungen und Eigenbrötelei.

So wie in einer Hausgemeinde die einzelnen Glieder voneinander profitieren, so geschieht es auch im Netzwerk unter den Hausgemeinden als Glieder. Diese sind zwar als HG vollständige Gemeinde, aber sie verfügen nicht über alle Gaben und Berufungen, deshalb brauchen sie die Hilfe der anderen  Durch die Vernetzung profitieren sie von den Gaben und Diensten der anderen Hausgemeinden, werden in ihrer Unvollkommenheit ergänzt und kommen zu mehr Balance.

Eine wichtige Rolle im Zusammenhalt und in der Ausgewogenheit der Hausgemeinden im Netzwerk spielen die Eph. 4,11- Dienste (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer). Sie sind als Diener der Gemeinden unterwegs, um alle Teile des Leibes zu stärken, zu nähren, zu unterstützen und zusammenzuhalten. Ihre Arbeit ist unverzichtbar für die Existenz und das Wachstum eines Hauskirchen- Netzwerkes. Wie sonst sollten die einzelnen Gemeinden, Dienste und Gaben in Verbindung kommen und auf die gemeinsame Arbeit ausgerichtet werden. Sie gründen auch neue Hausgemeinden und sorgen für den Austausch untereinander.Sie "halten die Leitungen frei" und garantieren den Zufluß mit immer wieder neuen Energien und Impulsen für den ganzen Leib. Sie achten auf die gesunde Lehre und bringen, wenn nötig, Ordnung und Klärung in die vielfältigen Herausforderungen der Hausgemeinden 

 

6. Hausgemeinden bringen Frucht

Eine wirkliche Hausgemeinde macht verschiedene Reifestadien durch. Sie wird gepflanzt, wächst heran und bringt schließlich Frucht. Am Anfang steht ein göttlicher Start, hervorgebracht durch das ausgesäte Wort Gottes in die Herzen einzelner Menschen. Wenn dieses auf fruchtbaren Boden fällt, entsteht echte Nachfolge und Jüngerschaft. Mehrere solcher hingegebener Jünger verbinden und verpflichten sich zu einer Gemeinschaft in deren Mitte Jesus regiert und der Heilige Geist die Leitung übernommen hat - eine kleine Hausgemeinde entsteht.

Das natürlichste Verlangen dieser neuen Gemeinde ist es, neue Jünger hervorzubringen - wie eine neu entstandene Familie normalerweise das Verlangen nach Kindern in sich trägt. So werden diese sich darauf konzentrieren, das Wort in die Herzen Interessierter zu säen und der Kreislauf beginnt von vorne.

Die Gemeinde ermutigt die neuen Jünger sich zu einer neuen Gemeinschaft zusammenzuschließen, um die Reproduktion fortzusetzen und wieder Frucht zu bringen.

 

7. Hausgemeinden wachsen und vermehren sich überall

Es ist kein bestimmter Ort, kein heiliger Raum und keine besondere Umgebung notwendig, um eine Hausgemeinde zu pflanzen, und bis zur Reife wachsen zu sehen. Gerade unter den widrigsten Umständen und Situationen scheinen sie am besten zu gedeihen. Schlechte Verhältnisse bieten oft den besten Nährboden für Hausgemeinden. Das sehen wir auch in vielen Ländern, in denen christliche Gemeinden verfolgt werden.

Das soziale Umfeld der Menschen (oikos) ist der richtige „Ort“ an/in dem eine Hausgemeinde am besten wächst. Die dort vorhandenen natürlichen Beziehungen mit ihren Konflikten, mit den Freunden und Leiden sind der beste Nährboden für das Wort Gottes. Christus in ihrer Mitte bringt Annahme, Versöhnung, Frieden,  und gegenseitige Liebe. Druck, Widrigkeiten und Angriffe von Außen bringen die Hausgemeinde noch zusätzlich zu einem größeren Zusammenhalt und zu mehr Fruchtbarkeit. Wie Bäume und viele andere Pflanzen brauchen sie den Wechsel der Jahreszeiten, Frost, Hitze, Sommer, Winter, Regen und Schnee. Aus den erlebten Schwierigkeiten und Krisen gehen sie gestärkt hervor. Glaube und Ausdauer werden darin geprüft, die Gläubigen lernen praktische Jüngerschaft.

 

8. Hausgemeinden bleiben immer jung und frisch

Wenn sich eine Hausgemeinde vermehrt, also regelmäßig Ableger, bzw. neue Hausgemeinden hervorbringt, bleibt das frische geistliche Leben erhalten. Jede neue Hausgemeinde ist ein neuer Start mit neuer Dynamik, mit junger unverbrauchter Kraft und Vision. Diese Frische und Erneuerung fließt durch die Vernetzung zur Muttergemeinde zurück und verjüngt sie. Nicht die Alten geben den Takt an, sondern die Jungen. Die Alten dienen mit weisem Rat und klugem Beistand.

Durch andauernde Reproduktion gerät immer wieder frischer Sauerstoff und neu aktivierte Nährstoffe in den Blut- und Nervenkreislauf des Hausgemeinde- Netzwerks. Dadurch ist der eigene Fortbestand, das neue Lied, die frische Geistleitung gewährleistet.