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Moderne
Apostel ! ?
Als Jesus seine 12 Jünger auswählte und sie
als Apostel einsetzte, hatte er mehrere Gründe dafür. Ein Grund
war, dass sie Ihn später selbst repräsentieren sollten. Er sagte: „Wer
euch aufnimmt, der nimmt mich auf und wer euch nicht aufnimmt, der nimmt
auch mich nicht auf“ (Mt.10,40). Jesus versprach den Zwölfen auch : „der
heilige Geist wird euch alle Dinge lehren und er wird euch an alles
erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh.14,26). Nach der Himmelfahrt
Jesu versuchten die ersten Gläubigen nicht allein nach dem zu leben, was
Jesus gesagt hatte, sondern sie konzentrierten sich mehr auf die „Lehre
der Apostel“ (Apg.1,42). Diese Lehre war identisch mit dem, was Jesus
gesagt hatte. Als Paulus die Brüder in Galatien besuchte, nahmen sie ihn
auf, als ob er Jesus Christus selbst wäre (Gal.4,14). Im Korintherbrief
sehen wir, dass der Apostel wirklich als Jesu Repräsentant galt und auch
so redete: „was ich euch schreibe, ist des Herrn Befehl
(1.Kor.14,37). Kein Wunder, dass es nur wenige gab, die mutig genug
waren, den Mantel eines Apostels zu beanspruchen.
Aus der Schrift können wir zwei Typen von
Aposteln unterschieden. Zuerst sehen wir die Apostel, die physisch die
Gegenwart des Herrn und seine Auferstehung miterlebt hatten und die ganz
persönlich von ihm ausgewählt und trainiert wurden. Sie prägten die
ersten geistlichen und kirchlichen Normen der frühen Gemeinde. Sie waren
die Autoren und Prüfer aller Bücher des neutestamentlichen Kanons der
Bibel. Als persönliche Augenzeugen Jesu standen sie bei den Gläubigen in
besonderer Achtung. Der zweite Typ von Aposteln, zu denen Jakobus,
der Bruder Jesu, Paulus, Barnabas, Timotheus, Titus, Judas, mit dem Zunamen Barsabas, und Silas, Andronicus and
Junias, Apollos u.a. gehörten, bezogen sich im wesentlichen auf das, was
Jesus gesagt hatte und auf die Lehren der 12 Apostel.
Die Gemeindegründer (pflanzer) von heute, die
modernen Apostel, sind wie der zweite Typ von Apostel, sie bauen aber
zusätzlich auf den Traditionen ihrer Vorläufer auf. In der deutschen und
englischen Bibel ist das Wort “Apostel” eine Ableitung des
griechischen Wortes “apostolos”. In der wörtlichen Übersetzung
heißt es “Gesandter, Botschafter, Bote, der Gesendete (New
International Dictionary of NT Theology, Brown). Das Verb “apostello”
trägt die Bedeutung “gesandt mit einem besonderen Zweck”- auch kann
das Verb bedeuten „jemand der beauftragt ist“ oder „der
bevollmächtigte Bote“ (New Bible Dictionary, Davis, 57-60). Jerome, der
das NT vom Griechischen ins Lateinische übersetzte, sah in dem Wort „apostolos“
die Wurzel des lateinischen Wortes „missio“ (das Grundwort für
Missionar). Ist dir jemals aufgefallen, dass das Wort „Missionar“
nirgendwo in der deutschen und englischen Bibel zu finden ist. Trotzdem
glauben die evangelikalen und charismatischen Christen, dass es Missionare
gibt, weil der Missionar das dynamische Äquivalent für den Apostel ist.
Ja natürlich, die Rechtfertigung für die Existenz der Missionare in
unserer Zeit liegt in diesem neutestamentlichen Muster und in unserem
Wissen über die Existenz und der Wirkung der Apostel. Moderne
Gemeindegründungsbewegungen müssen sich auf das apostolische Muster
beziehen, das wir in der Bibel vorfinden. Apostel wurden ausgesandt, um in
bisher unerreichten Gebieten Gemeinden zu pflanzen, die Christen in den
Gemeinden zur Reife zu führen und dann wieder zu gehen. Gemeindepflanzer
sind wahre Apostel und sie werden heute genauso gebraucht, wie im ersten
Jahrhundert. Nun, wie sollte unser moderner Apostel seinen Dienst
ausführen? Was die zwölf ersten Apostel betrifft können wir sagen, dass
die meisten von ihnen mehr als 17 Jahre von Jerusalem aus tätig waren, um
Verlorene zu retten und schon Bekehrte im Glauben zu festigen. (Apg.1-7;
8,14; Gal. 1,11; 1,18; 2,1; 2,9 und Apg. 21,17-18). Gelegentlich
unternahmen sie kurze Missionsreisen, die über Judäa hinausgingen. Nur
Jakobus blieb immer am Ort.
Auf jeden Fall charakterisierte die dauernde
Bewegung den Dienst der ersten Apostel, was bei den späteren Aposteln
noch mehr zu sehen ist. Sie zogen umher, verkündeten das Evangelium und
organisierten die Gemeinden. Sie ließen sich an keinem Platz dauerhaft
nieder. Das ist natürlich weit entfernt von dem, wie heute Mission
betrieben wird. Gelegentlich wurden eine zeitlang Trainingsstops an
strategisch wichtigen Orten gemacht, doch dann verließen sie den Ort
wieder. Zum Beispiel hielt sich Paulus etwa eineinhalb Jahre in Korinth,
zweieinhalb Jahre in Ephesus und zwei Jahre in Rom auf. Er schaffte es
immer wieder, der Versuchung, länger zu bleiben, zu wiederstehen.
Timotheus wurde von Paulus angewiesen in Ephesus zu bleiben, um gegen die
falschen Lehrer vorzugehen, aber als die Aufgabe erledigt war, empfahl er
ihm, noch vor dem Winter zurückzukommen (2.Tim. 4,21). Entgegen dem, was
oft angenommen wurde, war Timotheus als Apostel und nicht als Pastor in
Ephesus tätig. Ein anderes Beispiel ist Titus. Er sollte in Kreta noch
alles in Ordnung bringen und Älteste in jeder Stadt einsetzen und wenn
das erledigt war, sollte er abreisen und sich wieder Paulus in Nicopolis
anschließen (Tit. 3,12). Was hat denn die frühen Apostel motiviert,
dauernd herumzureisen? Es war in erster Linie die dringende Aufgabe, die
unerreichten Gebiete zu evangelisieren. Zu Timotheus sagte Paulus „Tu
das Werk eines Evangelisten“. Die Apostel waren diejenigen, die das
Evangelium verkündeten. (1.Kor. 9,14; 2.Tim. 4,5) und in den neuen
Gebieten Gemeinden pflanzten.
Ein anderer Grund war, die Christen in den neuen
Gemeinden zu stärken und aufzuerbauen
(Eph. 4,11-13). Ein Hauptunterschied zwischen einem Ältesten und
einem Apostel ist, dass der Dienstbereich eines Ältesten allein auf die
Gemeinde am Ort beschränkt ist, während das Arbeitsfeld eines Apostels
universal verstanden wird und zeitlich begrenzt ist. Wenn ein Apostel
Älteste trainiert und eingesetzt hat, zieht er weiter. Von diesem
Zeitpunkt an ist es die Aufgabe der Ältesten die Gemeinde zu lehren und
zukünftige Älteste zu finden, mit der gelegentlichen Hilfe eines
Apostels, der gerade vorbeikommt.
Wir glauben, dass die ganze
Bibel durch den Heiligen Geist inspiriert ist. Dazu zählt auch das, was
über den Dienst der Apostel und der Ältesten geschrieben steht. Wenn
wir es befolgen, wird es zu unserem Vorteil, wenn nicht, dann gereicht
es uns zum Nachteil. Die Existenz mobiler und reisender Gemeindearbeiter
ist in der Bibel festgehalten. Praktisch jede Gemeinde, die im NT
erwähnt wird, wurde von apostolischen Teams gegründet und hielt die
Beziehung zu diesen Teams danach noch jahrelang aufrecht. Reisende
Gemeindearbeiter sind für die Gemeinde wie das Blut in einem Körper.
Ihr Dienst ist Teil von Gottes Design für eine wachsende und gesunde
Gemeinde. Gemeindepflanzer bestehender Gemeinden ziehen aus und pflanzen
in unerreichten Gebieten neue Gemeinden, das ist das neutestamentliche
Muster. Diese Dienste brauchen wir auch heute. Die modernen Apostel
können auch bestehenden Gemeinden dienen, in dem sie ihnen helfen, in
einer soliden und praktischen Lehre gegründet zu sein. Sie dienen als
apostolische Lehrer in „Schulen auf Rädern“, sie trainieren und
bilden Gemeindeleiter für ihre lokale Aufgabe aus (1.Tim.1,3; 3,14-15;
4,1-6,13; 2. Tim.1,13; 2,1-2,14; 4,1-5; Tit.1,5; 2,1-15).
Apostel des 21. Jahrhunderts
müssen Diener der Gemeinden sein und nicht Herren, die über sie
regieren. Obwohl sie anfänglich über die neuentstandenen Gemeinden die
natürliche und ein-flussreiche Autorität eines Ältesten haben, sind die modernen Apostel im Rang nicht höher als Älteste.
Sie sind nicht wie die ersten 12 Apostel, denn wir müssen bedenken,
dass der selbe Glaube für alle Heiligen gegeben wurde. (Judas 3). Keine
neue Lehre ist mehr notwendig, kein neuer Brief muss geschrieben werden
und wir brauchen keine neue Theologie, außer die, die uns durch die 12
Apostel überliefert wurde. Die Lehre eines Gemeindepflanzers muss
deshalb mit den vorausgegangenen Überlieferungen und Offenbarungen der
Zwölf übereinstimmen. Kein Zweifel, es werden bestimmt falsche Apostel
kommen, deshalb müssen wir wie die Epheser sein, die jene Apostel
geprüft und sie für falsch befunden hatten (Ofb.2,2). Moderne Apostel
sind wie Paulus, Barnabas, Timotheus, Titus und Epaphroditus – sie
sind Gemeindepflanzer, ausgesandt zu evangelisieren, Gemeinden zu
starten, Jünger zu machen, Leiter zu entdecken und zu trainieren um
dann an einen anderen Ort weiterziehen. Ihre Existenz und ihr Dienst ist
für die heutige Gemeinde sehr wichtig. Kannst du eine Gemeinde ohne
einen Apostel beginnen? Ja, vielleicht. Kann eine existierende Gemeinde
ohne apostolischen Einfluss existieren? Ja, vielleicht. Kann eine
Gemeinde ihre eigenen Ältesten, ohne Hilfe der Apostel einsetzen? Ja,
vielleicht. Aber das alles ist mühsam und geht viel einfacher,
wenn es apostolische Arbeiter gibt, die sich um diese Dinge kümmern.
Zusammenfassung
Was eine Gemeinde nicht
braucht sind:
1. Sogenannte Apostel, die
versuchen über die Gemeinde wie ein Herrscher zu regieren. Apostel sind
Diener der Gemeinde (Kol. 1,25; 2.Kor.13,4). Die Apostel sind dafür da,
die lokale Leiterschaft zu stärken, nicht zu ersetzen.
2. Apostel, die in den Treffen
der Gemeinde dominieren und die diese zu einer Ein-Mann-Show machen. Ein
Apostel ist wie ein Coach und nicht wie die Spieler. Die Gemeinde gehört
den Brüdern und nicht dem Apostel.
3. Apostel, die nur von der
Gemeinde leben. Apostel haben das Recht auf Unterstützung, aber sie
sollten auch bereit sein, ihren Unterhalt selbst zu verdienen.
4. Apostel, die mit dem Wort
Gottes Geld verdienen wollen und Schulen beaufsichtigen wollen.
Was die Gemeinde dringend
braucht:
1. Wir müssen dafür beten,
dass Gott moderne Apostel aufstehen lässt, die anfangen biblische
Hausgemeinden zu pflanzen (Mt.9,37-38). Frage Gott, und (oder) andere Gläubige,
ob du einen Ruf für den apostolischen Dienst hast. Es kann sein, dass
du selbst die Antwort auf dein Gebet bist.
2. Bete für die, die bereits
evangelistische Arbeit tun (Eph 6,19-20; Kol. 4,2-4).
3. Gib Geld, um vollzeitliche
Apostel (und Evangelisten) zu unterstützen (1.Kor.9,14).
4. Sei offen für den Dienst und
die Hilfe des apostolischen Dienstes. Der Einfluss reisender Apostel
kann einer Hausgemeinde wesentlich beim Wachstum behilflich sein. Durch
den Dienst der Apostel kann die Hausgemeinde an einem intakten Netzwerk
angeschlossen werden. Isolierte Gruppen verfehlen Gottes Perspektive für
sein Reich.
frei übersetzt von Richard
Schutty nach einem Artikel von Steve Atkerson.
2.
Arthur Katz zum Thema „Apostolische Fundamente“
„Ich habe großen Respekt vor dem Wort apostolisch.
Seine Bedeutung zu verlieren heißt, den Glauben selbst zu verlieren. Es
ist ein ultimatives Wort, ein Wort, das von den blassen
Beschreibungen und Hülsen befreit werden muss, die religiöse Menschen
ihm gegeben haben. Es ist ein Wort, das verrostet ist und
wiederhergestellt werden muss – und dies wird einen hohen Preis
kosten.
Wie bei jedem großen biblischen Ausdruck finden
wir ihn nicht in einem Lexikon erklärt. Und: wir werden die Bedeutung
nicht finden – sie wird uns finden! Es geht darum, die Echtheit
dieses Wortes, das, was es für die erste Kirche bedeutete,
wiederzuerfassen. An ihrem Anfang war die Kirche apostolisch – und sie
wird es auch wieder am Ende ihrer Geschichte sein. Eine Kirche mit
apostolischen Grund ist ein Verbund aus Menschen, dessen zentraler
Antrieb und Lebensprinzip, Wesen und Dienst nur aus einer einzigen Sache
besteht: einer radikalen und totalen Eifersucht für die Ehre Gottes. In
der Auseinandersetzung mit dem Apostolischen möge daher etwas in
unseren Geist und das Mark unserer Existenz kommen, das uns niemals
loslassen wird.
Aus Ermangelung einer wahrhaft apostolischen Kirche
sind Selbsthilfegruppen entstanden, christliche Werke, Missionsgruppen,
die bestenfalls temporären Charakter haben können und die unter Gottes
zeitweiliger Zulassung stehen. Gott wacht eifersüchtig über dem
Begriff des Apostolischen. Denn wenn die Kirche tatsächlich auf dem
Fundament der Apostel und Propheten auferbaut ist, dann müssen wir
dieses Wort in seiner tiefsten Bedeutung zu verstehen suchen. Sonst
werden wir niemals Teil dessen werden können, was in seiner Essenz die
Kirche wirklich zur Kirche von Jesus Christus macht.
Die griechische Wurzel des Wortes apostolisch ist
apostolos, und bedeutet „der Gesandte“. Das, was nicht wirklich von
Gott gesandt wurde, kann auch nicht ausrichten, wozu es von Gott
gesandt wurde. Wie gesandt ist das, was wir derzeit tun? Wie apostolisch
ist es? Wenn wir auf die Frucht des Handelns der Kirchen und Werke sehen
–was sehen wir wirklich?
Moses, der Apostel: (Ex 3,1-15) „Ich, der ich
dich gesandt habe“
Moses und Paulus waren zwei große
Meister-Bauer; Schlüsselfiguren in den Absichten Gottes, die das Volk
Gottes nicht nur aus der Sklaverei herausführen sollten, sondern
hineinführen in ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Es
reicht nicht aus, Menschen nur zu befreien, sondern sie müssen auch hineingebracht
werden in das verheißene Land! Moses, obwohl von Gott berufen, war
lange Zeit nicht qualifiziert, ein Befreier zu sein. Es mangelte ihm an
Furcht Gottes, an Bewusstheit über die Gegenwart Gottes. Er war zu
horizontal orientiert, im Diesseits zuhause. Dadurch sehen wir nur die
Not – aber noch lange nicht Gott. Nur eine Not zu sehen, einen Bedarf,
und diesen dann zu stillen ist keinesfalls eine Begründung für
christliche Aktivität. Wir müssen aufsehen auf Gott, sonst drehen wir
uns aktiv im Kreis. Es gibt nichts, was dem Handeln Gottes massiver im
Weg steht als gut gemeinte menschliche Absichten, die aus humanistischem
oder religiösen Eifer entstehen.
Und so müssen diese menschlichen Absichten
sterben, sonst stehen sie Gott im Weg. Der Weg dazu ist unser Tod. Und
nichts ist tödlicher als Warten. Scheinbar tatenloses Warten. Moses bei
den Schafen, Paulus in der Wüste, in Tarsus. Wer aus Ungeduld zu
handeln beginnt – oder weil die unruhige Gemeinde ein Programm will,
verspielt nicht nur sein geistliches Erstgeburtsrecht. Ungeduld,
Eigenwille, religiöse Ambitionen, die Notwendigkeit, etwas zu
tun – und dabei beobachtet zu werden, dass und wie man es tut, der
Wunsch anerkannt und respektiert zu werden – all das ist der Tod für
die wahren Absichten Gottes.
Als Moses deshalb mit 80 Jahren fragte: „Wer bin
ich, das du mich senden solltest?“, da war Moses ein alter,
gebrochener Mann, der sich nicht länger auf seine menschlichen
Qualifikationen verlassen konnte. Seine Hände waren leer, sein Ruf
dahin, seine Kraft vorbei, niemals würde er in der Lage sein auch nur
daran zu denken, das Volk Gottes aus der Versklavung zu retten. Und doch
ist kein Mann besser für eine solche Aufgabe qualifiziert als der, der
von ganzem Herzen felsenfest davon überzeugt ist, dass er
disqualifiziert ist. Hier ist Gott am Werk: er disqualifiziert uns,
bevor wir uns qualifizieren können. Und nur deshalb konnte Mose schließlich
handeln, nicht weil er die Not sah und er dann verantwortlich handelte,
sondern einzig und allein, weil er auf die Sendung von Gott reagieren
konnte der sagte: „Ich habe das Schreien von Israel gehört“.
Deshalb ist die Grundlage für unser Gehen nicht unser Sehen, sondern
Gottes Senden – zum Zeitpunkt und zu den Bedingungen, die er bestimmt
– und sonst niemand.“
Aus dem Buch "Auf der Grundlage der
Apostel" (ISBN 3-932994-05-1) Dies Buch ist ab Sommer 2005 erhältlich
3.
Wie Apostel bauen
Der Schweizer Prophet Andrea Xandry führt
in seinem Büchlein „Gemeinde im Sturm“
aus, dass die derzeitige, von vielen Seiten durchgeschüttelte
Kirche, vergleichbar ist mit dem Schiff des Paulus kurz vor Malta:
„Niemand kam um, außer das Schiff...“
„Wenn wir das Ziel aus den Augen verloren haben,
verdoppeln wir die Geschwindigkeit,“ sagte Mark Twain. Und wir? Nach
welcher Zielvorgabe, nach welcher Vorlage bauen wir? Welchem Bauplan,
welchem Ziel für Gemeinde folgen wir – ob unbewusst oder bewusst?
Welchem Original haben wir uns verpflichtet, und: wie originell ist
unser Original wirklich?
„Wenn
der Herr das Haus nicht baut, arbeiten die Bauleute umsonst.“
Die Bibel kennt zwei grundverschiedene
Bauprinzipien:
1. Das
Bauen nach Gottes Muster
2. Das
menschlichen Bauen.
Wir
Menschen denken in der Regel nicht so, und kennen daher eine weitere
Methode:
3.
Mischformen von 1 und 2, Mischformen der Mischformen
Wenn
Gott baut... baut er immer nach
einem „himmlischen Vorbild“:
1. Noah baute seine Arche nach einem
detaillierten Bauplan Gottes:
Das
Material, die Proportionen, die Fenstermasse und die Türplazierung gab
Gott vor. Erst im Jahre 1886 wurde ein Schiff gebaut, das größer als
die Arche Noah war. Schiffsbauer versichern uns, dass die Proportionen
300/50/30 Ellen geradezu ideale Masse für ein stabiles Frachtschiff
sind, das auf zwei Wellenkämmen gleichzeitig reiten kann.
2. Mose
baute die Stiftshütte nach Gottes Anweisung:
„Und
siehe zu dass du es machst nach dem Bild, das du auf dem Berg gesehen
hast“ (2. Mose 25,40). Mose hatte hier einen kurzen Einblick in den
Himmel erhalten. Gott zeigte ihm seinen Bauplan für die Stiftshütte,
und er gab ihm genial begabte Baumeister wie Bezaleel und Oholibab an
die Seite, Leute „erfüllt mit dem Geist Gottes, Weisheit, Verstand,
Erkenntnis und Geschicklichkeit, kunstreich mit ... Steinen und Holz zu
arbeiten“. (2. Mose 31,1-7).
3. Salomo baute den Tempel nach einem
Vorbild, das David direkt von Gott gezeigt bekommen hatte.(1. Chr. 28,19)
Ein Bauwerk auf Erden nach
einem im Himmel existierenden Bauplan. Und wieder war es nötig, dass
nicht X-beliebige Architekten, Baumeister und Arbeiter den Job taten,
sondern nur die allerbesten waren gut genug: Hiram, ein „weiser
Mann...der weiß zu arbeiten an Gold, Silber, Steinen, Holz...“
(2.Chr. 2). Der Tempelbau entstand an genau dem gleichen Ort (Morija,
der Ort wo Abraham mit Isaak opfern sollte), den Gott David dafür
gezeigt hatte (2. Chr. 3,1).
4. Der Bau der
neutestamentliche Gemeinde (der
Leib Christi):
In 1.Kor.12 zeigt uns Gott einen Weg, wie die
neutestamentliche Gemeinde gebaut wird.
„Der Heilige Geist teilt aus, wie er will. =
Souveränität des Heiligen Geistes.
Feste Grundstrukturen: stabiles Fundament, Säulen
- durch die Dienste
Flexible Bauelemente: bewegliche Formen – durch
natürliche und geistliche Gaben
Das Prinzip:
Gott hat einen himmlischen
Bauplan für sein Volk, für seine Gemeinde, wo er angebetet werden
will. Transferiert durch bestimmte Menschen, die zwischen Himmel und
Erde stehen und eine „Transportfunktion“ haben gibt er seinen Plan
an sein Volk weiter. Das geschaute Original wird dann von den begabten
Menschen, die Gott speziell dafür einsetzt, praktisch umgesetzt.
Im AT waren das Noah, Mose, David, im NT sind das die Apostel und
Propheten, die er sich für diese Aufgabe gewählt hat. Diese sind:
1. Weise Baumeister (1. Kor. 3,6).Von Gott begabte Baumeister und
Architekten. Paulus beschreibt sich selbst als „weisen Baumeister“ (archi
tekton= Ober-Bauer),
er hat das Evangelium nicht von Menschen übernommen, sondern in einer
Offenbarung selbst geschaut.
2. Fundamenteleger (Eph. 2,20): Die Gemeinde, aufgebaut auf der
Grundlage der Apostel und Propheten.
Wenn der Mensch baut...
Der erste Mensch, der in der Bibel etwas baut,
ist Kain: er baut die Stadt Enoch, als Fluchtburg vor Gott, nachdem er
ein schollenloser Nomade geworden ist. Gott erschuf den Garten - der von
Gott getrennte Mensch erfindet als erstes die Stadt – und nennt sie
nach allem, was ihm noch lieb ist, nachdem er Gott verloren hat: seinem
Sohn.
Bald darauf stossen wir auf den Turmbau zu Babel:
„Und sie sagten einer zum anderen: „Wohlan, lasst uns Ziegel
streichen und brennen! Und sie nahmen Ziegel statt Stein, und Asphalt
als Mörtel. Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und
einen Turm bauen...“ (1. Mose 11). Ziegel statt Stein! Es ist wie wenn
Moses hier sagen möchte: seht, wie weit der von seinem Schöpfer
getrennte Mensch geht, er nimmt noch nicht mal das überall frei verfügbare
Baumaterial, Steine und Holz, sondern schafft sich sogar sein eigenes
Baumaterial. Ziegelsteine, ist denn das zu fassen?!
Ich glaube, dass wir als gesamte Christenheit
deswegen so große Gemeinde- Probleme haben, weil wir das göttliche
Original, den Zugang zu einer apostolischen Architektur, so restlos
verloren haben. Weil wir geradezu besessen sind vom Gedanken an den
idealen Ziegelstein, dem geduldigen Material für unseren Kirchentraum.
Dem idealen Kirchenmitglied, dem idealen Mitarbeiter. Quadratisch,
praktisch, tot.
(Gedanken von Wolfgang Simson/ ergänzt Richard
Schutty)
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4. Wichtige Merkmale
von echten Aposteln
anhand der Schrift
1. Ihre Autorität ist vom Himmel
Sie sind vom Herrn selbst eingesetzt (Gal 1,1; Eph 1,1; Kol 1,1;
2.Tim 1,1)
Kein Mensch kann Apostel ernennen oder einsetzen. Ein apostolisches Team
kann nicht von Menschen organisiert werden, sondern wächst aus tiefen
Beziehungen heraus!
Apostel sind zu allererst dem Herrn verantwortlich und wollen mehr dem
Herrn als Menschen gefallen. Deshalb können sie in Liebe kühn sein.
Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich
Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich
Christi Knecht nicht. Gal 1,10
2. Vaterschaft
Sie geben den Gläubigen durch ihre Vaterschaft Schutz, Geborgenheit
und eine Anschauung der Liebe des himmlischen Vaters.
So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein
das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen,
weil ihr uns lieb geworden wart. 1.Thess 2,8 ....
Wir aber, Brüder, da wir für kurze Zeit von euch verwaist waren,
dem Angesicht, nicht dem Herzen nach, haben uns um so mehr mit großem
Verlangen bemüht, euer Angesicht zu sehen.
1Thess 2,17....
Wobei wir Nacht und Tag aufs inständigste bitten, euer Angesicht zu
sehen und das zu vollenden, was an eurem Glauben mangelt? 1Thess 3,10
Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag
nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen. Apg 20,31
3. Apostel setzen den Standard für gesunde Lehre
So wie ich dich bat, als ich nach Mazedonien abreiste, in
Ephesus zu bleiben, damit du einigen Weisung erteilen solltest, nichts
anderes zu lehren. 1Tim 1,3
Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als
Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt
haben: er sei verflucht! Gal 1,8
Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn
nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht! 2.Joh 10
4. Sie dienen dem Herrn in selbstloser Weise
Apostel dienen dem Leib Christi und nicht sich selbst. Sie wollen
die Gemeinde nicht für sich, sondern für den Herrn. Sie bringen das
Volk Gottes in Mündigkeit und Reife, indem sie helfen, Christus im
Geist zu erkennen. Sie sind bestrebt, andere für den Dienst zu
trainieren und freizu-setzen.
Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem
Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus
hinzustellen. 2.Kor 11,2
Gott, der Vater, hat einen überaus brennenden Eifer, Seinem Sohn eine
reine Braut zu präsentieren. Er kann und wird es nicht dulden, dass das
Herz der Braut geteilt ist. Dieser Eifer lebte in Paulus und war die
Kraft seines Dienstes. Er kannte und demonstrierte den Eifer des Herrn.
Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker
als er? 1.Kor 10,22
5. Ihr Dienst geschieht mit göttlicher Befähigung,
nicht in menschlicher Kraft oder Weisheit
Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen
und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen. Phil
3,3
Wobei wir Nacht und Tag aufs inständigste bitten, euer Angesicht zu
sehen und das zu vollenden, was an eurem Glauben mangelt? 1.Thess 3,10
Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, damit ich euch etwas
geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen. Röm 1,11
6. Sie sind Vorbilder für alle Gläubigen
Ein wesentliches Merkmal echten apostolischen Dienstes ist eine
Haltung der Transparenz, Dienerschaft, Nahbarkeit und Ansprechbarkeit.
Du aber bist genau meiner Lehre gefolgt, meinem Lebenswandel, meinem
Vorsatz, meinem Glauben, meiner Langmut, meiner Liebe, meinem Ausharren.
2.Tim 3,10
Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen
habt, das tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein. Phil 4,9
Der Schwerpunkt liegt meiner Meinung nach nicht so sehr auf dem, was ein
Apostel tut, sondern was er ist, d.h. was der Herr schon in ihm wirken
konnte. In folgender Beschreibung des Dienstes von Paulus sehen wir
Reife, Reinheit, Dienerschaft und Vaterschaft des apostolischen
Dienstes:
Denn unsere Ermahnung geschah nicht aus Irrtum, noch aus
Unlauterkeit, noch mit List;
sondern wie wir von Gott tauglich befunden worden sind, mit dem
Evangelium betraut zu werden, so reden wir, nicht um Menschen zu
gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. Denn weder sind wir
jemals mit schmeichelnder Rede aufgetreten, wie ihr wißt, noch mit
einem Vorwand für Habsucht - Gott ist Zeuge, noch suchten wir Ehre von
Menschen, weder von euch noch von anderen, obwohl wir als Christi
Apostel gewichtig hätten auftreten können; sondern wir sind in eurer
Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt.
So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein
das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen,
weil ihr uns lieb geworden wart.
Denn ihr erinnert euch, Brüder, an unsere Mühe und Beschwerde:
Nacht und Tag arbeitend, um niemand von euch beschwerlich zu fallen,
haben wir euch das Evangelium Gottes gepredigt.
Ihr seid Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und untadelig wir
gegen euch, die Glaubenden, waren; wie ihr ja wißt, daß wir euch und
zwar jeden einzelnen von euch, wie ein Vater seine Kinder ermahnt und
getröstet und beschworen haben, des Gottes würdig zu wandeln, der euch
zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft. 1.Thess 2,3-12
7. Apostel sorgen für göttliche Ordnung im Volk Gottes
Sie setzen Älteste in den Gemeinden ein. (Apg 14,23; Tit 1,5)
Paulus konfrontiert und korrigiert Petrus, der in Heuchelei gefallen
war. (Gal 2,11-14)
Paulus fordert die Korinther auf, Sünde in ihrer Gemeinde zu richten.
(1.Kor 5,7.13)
Apostel können unter der Führung des Heiligen Geistes göttliches
Gericht über Böse vollstrecken. (Annanias und Saphira in Apg 5,1-11,
Elymas, der Zauberer in Apg 13,6-12)
... unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben
habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern. 1.Tim 1,20
Überhaupt hört man, daß Unzucht unter euch sei, und zwar eine
solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht stattfindet: daß
einer seines Vaters Frau habe. Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht
vielmehr Leid getragen, damit der, welcher diese Tat begangen hat, aus
eurer Mitte hinweggetan würde! Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend,
aber im Geiste anwesend, habe schon als anwesend das Urteil gefällt über
den, der dieses so verübt hat, -wenn ihr und mein Geist mit der Kraft
unseres Herrn Jesus versammelt seid- einen solchen im Namen unseres
Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit
der Geist errettet werde am Tage des Herrn. 1.Kor 5,1-5
Diese Art der geistlichen Regierungsgewalt in der Schrift zu sehen, ist
eine Sache, aber die Vorstellung, so etwas würde heute unter uns
geschehen, konfrontiert uns mit dem verborgenen Humanismus in uns. Der
Preis für göttliche Autorität wird die Abkehr von allen weltlichen
Prinzipien und Haltungen sein, was unweigerlich den Hass der Welt auf
uns ziehen wird. Die Wiederherstellung des Dienstes der Apostel wird nur
durch eine völlige Hingabe an den Herrn möglich sein.
Wenn wir erleben müssen, wie immer wieder einzelne Gemeinden durch
Fehlverhalten eines Leiters, der sich selber niemanden gegenüber
verantwortlich fühlt, durch ungesunde Lehre oder Praktiken, großen
Schaden nimmt, dann verstehen wir die Notwendigkeit von apostolischen
Diensten.
8. Apostel arbeiten mit anderen Aposteln und Propheten
zusammen
Als in Antiochia ein Problem wegen Lehrfragen entstand, wandten sich
die Apostel Paulus und Barnabas an die anderen Apostel in Jersualem.
(Apg 15) Echte Apostel erkennen andere Apostel aus anderen apostolischen
Teams an und haben Beziehungen zu ihnen. Sie stehen nicht in Konkurrenz
zu ihnen. In
Apostelgeschichte Kapitel 13 sehen wir, wie Lehrer und Propheten
miteinander Gemeinschaft haben und gemeinsam dem Herrn dienen.
Der Schwerpunkt des Dienstes der Propheten liegt nicht so sehr im
Abhalten prickelnder Versammlungen, wo den Einzelnen dramatische Worte
gegeben werden, sondern im Offenbaren von Gottes Herz und im Anleiten
zur Furcht des Herrn.
Ohne den prophetischen Dienst wird auch der apostolische Dienst nicht
wiederhergestellt werden!
Ein wesentliches Merkmal von geistlicher Reife ist die Reinheit des
Herzens, die Echtheit, wo das, woran man vorgibt zu glauben, zu leben
und zu arbeiten, auch wirklich die treibende Kraft im Herzen ist. Ohne
den prophetischen Dienst kann diese Tiefe der Reinheit nie erreicht
werden.
Echte Apostel sind durch diese Prozesse hindurchgegangen und arbeiten
nicht aus der Kraft verborgener Motive.
9. Sie warnen vor falschen Arbeitern in Gottes Reich
Ein sehr wesentliches Merkmal des Wirkens der vom Herrn gegebenen
Dienste, und ganz besonders der Apostel, wird uns in der bekannten
Passage in Epheser Kap. 4,11-16 gezeigt.
Die Apostel und die anderen Dienste verfolgen ja ein göttliches Ziel,
sie sind uns gegeben zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des
Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen
zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur
vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Eph
4,12
Diese Reife und Mündigkeit der Gläubigen besteht auch ganz wesentlich
darin, die ungesunden Einflüsse im Volk Gottes zu erkennen, um sich von
ihnen fern zu halten.
Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und
umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der
Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.
Laßt uns aber die Wahrheit bekennen in Liebe und in allem
hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Aus ihm wird der ganze
Leib gut zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk des Dienstes,
entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so
wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.
Eph 4,13-16
Weil der Auftrag dieser vom Herrn gegebenen Dienste darin besteht,
Gottes Volk in Reife, Mündigkeit und Dienst zu führen, müssen sie
sich auch mit den Dingen befassen, die dieses Ziel aufhalten wollen.
Deshalb lehren sie über Gottes Maßstab bezüglich Leiterschaft,
beschreiben mit deutlichen Worten den verkehrten, anmaßenden und mißbrauchenden
und ausbeuterischen Leiterschaftsstil, der die Gläubigen an Leiterpersönlichkeiten
oder organisatorische Strukturen bindet statt an den Herrn und sie so
versklavt und daran hindert, ihr vom Herrn gegebenes Potential zum
Dienst zu entwickeln.
Diese wichtige Aufgabe der Belehrung über falsche Dienste und der
Warnung vor diesen verkehrten Diensten haben die Apostel Paulus und
Petrus in ihren Briefen gründlich wahrgenommen. Nimm dir einmal Zeit,
herauszufinden, wie viel Raum die Behandlung dieses Themas in ihren
Briefen einnimmt! Du wirst mit Erstaunen feststellen, dass dies für sie
ein ganz wesentlicher Schwerpunkt war. Sie wollten unbedingt, dass die
Gläubigen verkehrte, Schaden bringende Dienste erkennen konnten. Diesen
Eifer hatten sie vom Herrn selbst bekommen. Er lobt die Gemeinde in
Ephesus für ihren geistlichen Scharfblick.
Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und daß
du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich
Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner erkannt. Offb
2,2
Die Gemeinde von Ephesus hatte die Fähigkeit, Dienste zu prüfen. Jesus
tadelte sie nicht wegen Misstrauens. Manche Gläubige fühlen sich
schuldig, wenn sie Vorbehalte gegen gewisse Dienste haben, an denen sie
Unaufrichtigkeit oder Machtgebaren erkennen. Wir können und sollen
solchen Diensten kein Vertrauen entgegenbringen. Die Epheser wurden vom
Herrn gelobt, weil sie Böse nicht ertragen konnten. Was für ein
Gegensatz zu den Korinthern, die auf falsche Apostel hereingefallen
waren.
Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir
nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr
nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht
angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut. 2.Kor 11,4
Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch
aufzehrt, wenn jemand euch einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn
jemand Gesicht schlägt. 2.Kor 11,20
von Hartwig Henkel
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6.
Wesen und Auftrag des apostolischen Amtes
Nach katholisch-apostolischer Auffassung ist das apostolische Amt
– auch nach dem Abgang der frühchristlichen Apostel – für
die Kirche von allergrößter Bedeutung. Die Übersetzung des aus
der griechischen Sprache stammenden Begriffes Apostel ist schlicht
und einfach "Gesandter". Im Neuen Testament wird
zwischen Aposteln im weiteren und engeren Sinne unterschieden. Ein
Apostel im weiteren Sinne ist beispielsweise Titus, der von seiner
Gemeinde nach Rom gesandt wurde, um dem dort im Gefängnis
sitzenden Paulus eine für ihn gesammelte Geldsumme zu überbringen.
In ähnlicher Weise ist im 2. Korintherbrief von "Brüdern"
die Rede, die als Apostel der Gemeinden "zur Ehre Christi
wirken". Auch hier handelt es sich nicht um Apostel Jesu
Christi im engeren Sinne, sondern um Abgesandte einer Gemeinde,
die besondere, fest umrissene, aber zeitlich befristete, Aufträge
ihrer Gemeinde zu erfüllen haben.
Darüber hinaus ist der Apostelbegriff im Neuen Testament auch
feststehende Bezeichnung für das höchste kirchenleitende Amt.
Wenn das Wesen der Kirche auch geistlicher bzw. charismatischer
Natur ist, so darf doch der Aspekt der Herrschaft Christi in
seiner Kirche nicht unberücksichtigt bleiben. Sollte doch der
Heilige Geist nicht kommen, um sich selbst zu verherrlichen,
sondern Christus. Dieser ist aber "ins Fleisch", d.h. in
die Natur eines gewöhnlichen Menschen gekommen. Somit hat die
Fleischwerdung des Sohnes Gottes die Möglichkeit der Gegenwart
Gottes in und durch Menschen – sofern er sie dazu beruft und fähig
macht – eröffnet.
Diese Möglichkeit ist mit der Herabkunft des Heiligen Geistes
am Pfingsttage im vollen Maße Wirklichkeit geworden, indem die zwölf
Apostel, die bis auf Matthias vom irdischen Jesus berufen worden
waren, durch den Heiligen Geist Kraft und Vollmacht empfingen, das
Werk des Auferstandenen weiterzuführen. Dieses Werk besteht in Gründung,
Aufbau und Leitung der Kirche Christi, mit dem Ziel ihrer
Vorbereitung auf seine persönliche Rückkehr zur Aufrichtung
seines Friedensreiches. Die Aufgaben bzw. Vorrechte der Apostel
waren im wesentlichen die folgenden:
1.
Christliche Gemeinden zu gründen.
2.
Das Evangelium allen Menschen zu verkündigen.
3.
Alle Völker zu taufen und sie zu lehren.
4..
Das Heilige Abendmahl zu verwalten.
5.
Sünden zu erlassen und zu behalten.
6.
Verordnungen und Weisungen zur Leitung der Gesamtkirche zu
erlassen.
7.
Verwaltungsfragen zu regeln.
8.
"Durch den Geist bezeichnete Männer" in verschiedene
Dienstämter einsetzen.
9.
Den Getauften mittels Handauflegung den Heiligen Geist
mitzuteilen.
In neutestamentlicher Sicht sind Apostel das Einheitsband der
Gesamtkirche. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn im Heiligen
Geist hat die Kirche durch sie, und nur durch Apostel Jesu Christi
kann sie zur "Vollkommenheit" gelangen, d.h. auf den Tag
seiner Wiederkunft in notwendiger Weise vorbereitet werden.
Apostel verkündigen den vollkommenen Willen Christi. Er selbst
kommt in ihnen zu seiner Gemeinde. Apostel sind die
"Haushalter über die Geheimnisse Gottes"; sie haben
Christi Sinn und reden nicht ihre eigenen Worte, sondern die Worte
und Gebote ihres Herrn. Mehr noch: Eine andere Wahrheit als die
von Aposteln verkündigte gibt es schlechterdings nicht.
Nach Epheser Kap. 2, 20 ist die Kirche auf dem Grund der
Apostel und Propheten erbaut. Hier ist nicht von den Schriften
toter Apostel und Propheten – und erst recht nicht von
alttestamentlichen prophetischen Büchern – die Rede, sondern es
geht hier um die Gegenwart lebender Menschen, die
apostolische bzw. prophetische Funktionen in der Kirche ausüben,
denn Christus ist nicht der Eckstein eines aus biblischen Büchern
bestehenden Grundes. Das Haus der Kirche muß, soll es stabil und
tragfähig sein, auf dem Fundament lebender Menschen gebaut sein,
die vom Herrn der Kirche mit der notwendigen Vollmacht, mit allen
Gaben und Kräften des Heiligen Geistes, ausgerüstet sind.
Während im Katholizismus die apostolische Autorität dem
Bischof von Rom und dem ihm zugeordneten Klerus übertragen wurde,
lag es im Wesen des Protestantismus und seiner nicht selten
einseitig betonten Lehre vom Priestertum aller Gläubigen, das
Recht und die Fähigkeit der Ausübung der ursprünglich den
Aposteln vorbehaltenen Tätigkeiten der Gesamtheit der Gläubigen
zuzuordnen. Zwar sollte dabei die Heilige Schrift als alleinige
Richtschnur in den Fragen der Lehre und des Lebens gelten, doch
waren mit diesem Prinzip Uneinigkeit und Spaltungen schon
vorprogrammiert. Denn die Bibel vermag nun einmal nicht selbst das
Wort zu ergreifen, um etwa strittige theologische Fragen zu erörtern
oder gar zu schlichten. Viele, ja unzählige Lösungsmöglichkeiten
sind denkbar. Deshalb ist eine verbindliche und allgemein
anerkannte Instanz, die in Fragen der Lehre, des Lebens und der
Verkündigung anhand der Schrift klare Richtlinien festlegt, unumgänglich.
Tatsächlich finden sich – mehr oder weniger stark ausgeprägt
– auch in den protestantischen Kirchen geistliche
Leitungsinstanzen.
Nach katholisch-apostolischer Auffassung hat ein konsequent
praktiziertes Sola-Scriptura-Prinzip mit neutestamentlicher
Theologie so viel gemeinsam wie der Aussagegehalt der Behauptung,
jeder mündige Christ dürfe – mit der Bibel in der Hand –
sich als sein eigener Apostel und Lehrmeister betrachten, dem
allein er Gehorsam zu leisten und Rechenschaft abzulegen habe. Es
lasse sich auch keine Schriftstelle anführen, die den Beweis
erbringt, die biblischen Schriften allein sollten oder könnten
der Kirche in der Zukunft alles das leisten, was am Anfang die
Apostel ausrichteten.
Überhaupt waren sämtliche "Ersatzmittel", die im
Laufe der Kirchengeschichte an die Stelle apostolischer
Amtsvollmacht traten, keinesfalls geeignet, diese Lücke, die um
die erste Jahrhundertwende entstand, zu schließen: Ein in
stringenter Weise praktiziertes Schriftprinzip, das den
Stellenwert des kirchlichen Amtes vernachlässigt, wenn nicht
vollkommen außer acht läßt, das fromme Selbstbewußtsein des
einzelnen, die autonome und aufgeklärte Vernunft und, aus dieser
erwachsen, der historische Kritizismus, ferner die Tradition der
Kirche und auch ein in bischöflicher Sukzession stehendes Lehramt
– alle diese können in keiner Form ein hinreichender Ersatz für
die Gegenwart lebender Apostel sein.
Die Art und Weise der Berufung eines Apostels ist von Fall zu
Fall verschieden. Während Jesus zunächst mündlich berief, wurde
Matthias per Losverfahren ermittelt, Paulus und Barnabas dagegen
empfingen den Ruf unmittelbar vom erhöhten Herrn. Ihre feierliche
"Aussonderung" durch den Heiligen Geist, d.h. durch das
Wort der anwesenden Propheten, begründete nicht ihre apostolische
Autorität, sondern markierte lediglich die Herauslösung aus
ihrer bisherigen Tätigkeit und somit den Beginn ihrer
apostolischen Amtswirksamkeit.
Die jeweilige Verschiedenheit in der Art und Weise der Berufung
und Aussendung von Aposteln läßt deutlich werden, daß dieses
Amt weder eine persönliche Benennung durch den irdischen Jesus
noch einen persönlichen Umgang mit ihm während der Zeit seiner
irdischen Wirksamkeit unabdingbar voraussetzt. Fraglich ist auch,
ob eine Vision des Auferstandenen, wie Paulus sie erlebt hat, in
jedem Fall erforderlich sein muß. Eine Berufung muß erfolgen,
wie diese aber geschieht, ist Sache des Berufenden, der in
seiner Vorgehensweise absolut souverän ist und niemandem darüber
Rechenschaft abzulegen hat. Grundsätzlich ist deshalb die
Berufung und Aussendung von Aposteln jederzeit möglich.
Der Erweis der apostolischen Autorität eines Menschen kann
sich für Prüfende niemals aus dem ableiten, was der mit
apostolischem Anspruch Auftretende erfahren zu haben vorgibt. Als
Beweis seiner Vollmacht führt denn auch Paulus nicht in erster
Linie sein Damaskuserlebnis an, sondern vor allem die Ergebnisse
seiner Tätigkeit. Darauf legten auch die übrigen Apostel bei
ihrer Beurteilung von Paulus und Barnabas das Hauptgewicht, und
darauf verweist auch Paulus die Korinther bei der Verteidigung
seiner Apostelvollmacht. Wer beansprucht, ein Apostel Christi zu
sein, hat nicht nur die Taten eines Bischofs oder eines begabten
Lehrers auszurichten – er muß auch die obengenannten
spezifischen Aufgaben eines Apostels, und zwar vor den Augen
aller, sichtbar erfüllen. Das untrügliche Kennzeichen, an dem
echte Propheten erkannt werden können, ist die "Frucht"
ihrer Wirksamkeit: "An ihren Früchten sollt ihr sie
erkennen".
Während die Jerusalemer Urgemeinde beständig in der Lehre der
Apostel blieb und auch Paulus sich des ungeteilten Glaubens und
der Liebe der Thessalonicher rühmen konnte, fand schon bald ein
Geist der Auflehnung gegen das Apostelamt in die frühe Gemeinde
Eingang. So ließen sich zum Beispiel die Galater von
selbsternannten Aposteln beeindrucken, was zu Streit und
Uneinigkeit führte und das Werk des Paulus zu zerstören drohte.
Bei den Korinthern hingegen waren nicht nur Spaltungen,
Parteiwesen und grobe Fehltritte unter Gemeindegliedern an der
Tagesordnung, es wurde gar die apostolische Kompetenz des Paulus
offen bestritten. Am Ende seines Lebens sah Paulus sich von vielen
verlassen, die zunächst treu zu ihm gehalten hatten.
Doch nicht allein Paulus, auch Johannes stieß in den seiner
Leitung unterstellten Gemeinden auf Widerstand und Ablehnung. Der
Vorsteher Diotrephes will seine Autorität nicht mehr anerkennen,
und auch die sieben Sendschreiben, an die Gemeinden gerichtet, in
denen Johannes nach dem Tod des Paulus wirkte, lassen schwere
geistliche Schäden erkennen, die zumindest teilweise auf die
Nichtachtung der Autorität des letzten noch lebenden Apostels zurückzuführen
sein dürften.
Die ernsten Ermahnungen, die die damalige Christenheit auf das
mahnende Vorbild Israels hinwiesen, waren offenbar umsonst. Wie
einst das Volk des Alten Bundes wegen seiner Kritik an Mose nicht
ins verheißene Land ziehen konnte, obwohl es unmittelbar vor
dessen Grenze stand, so vermochte anscheinend auch das Volk des
Neuen Bundes nicht ins "himmlische Kanaan" zu ziehen,
weil es seinem "Mose", d.h. den Aposteln, mit Widerstand
und Kritik, wenn nicht sogar mit entschiedener Ablehnung
entgegentrat. Mit anderen Worten: Die Hoffnung auf die baldige
Wiederkunft Christi erfüllte sich in der Zeit der Urchristenheit
allem Anschein nach deshalb nicht, weil das auflehnerische
"Murren" gegen die von Christus verordneten Leiter der
Kirche, nämlich gegen die Apostel, den geistlichen Reifeprozeß
bei der Mehrzahl der Gläubigen behinderte oder gar stagnieren ließ.
Dieser Umstand bietet auch eine Erklärung für die scheinbar
widersprüchlichen paulinischen Aussagen über den Zeitpunkt der
Wiederkunft Christi. Hatte er zunächst noch auf seine Teilnahme
an der "Entrückung" gehofft, sprach er später nur noch
von seinem nahe bevorstehenden Tod. Allein Christus, der souveräne
Herr der Kirche, kann Apostel berufen und aussenden. Er kann auch,
wenn er es für nötig hält, seiner Kirche dieses Amt entziehen,
selbst wenn dasselbe zu ihrer Vollendung unabdingbar notwendig wäre.
Es scheint, daß Apostel deshalb in der Kirche nicht mehr wirksam
sein konnten – und offenbar auch nicht mehr sollten – , weil
sie mit allem Nachdruck verachtet und zurückgestoßen worden
waren.
Zweifellos ist die Kirche nach dem Entzug des apostolischen
Amtes nicht von ihrem himmlischen Herrn getrennt worden. Durch
alle Zeiten hindurch, auch in den Zeiten tiefsten Verfalls, war
und ist Christus in ihr gegenwärtig. Die Verkündigung seines
Wortes und die Sakramente haben immer und überall ihre
Segenskraft, genauer gesagt die Segenskraft Christi, erwiesen. Was
zum Seelenheil und zur geistlichen Reife des einzelnen notwendig
ist, findet sich bis auf den heutigen Tag in den Kirchen aller
Konfessionen, auch ohne das apostolische Amt. Die Gewißheit
dieser Tatsache darf jedoch nicht von folgenden Fragen ablenken:
Kann die Kirche ohne die Wirksamkeit lebender Apostel vollendet
werden? War dieses Amt wirklich nur gegeben, um während eines
bestimmten Abschnittes in der frühen Zeit der Kirche tätig zu
sein? In Epheser Kapitel 4 formuliert Paulus explizit, daß neben
Propheten, Evangelisten und Hirten und Lehrern auch Apostel von
Christus eingesetzt wurden, "damit die Heiligen zugerüstet
werden zum Werk des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi,bis
wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des
Sohnes Gottes gelangen und zu einem vollkommenen Mann werden, zum
Maß des Alters der Fülle Christi kommen."
Dem unscheinbaren Wort "bis" in Vers 13
kommt in dieser Satzkonstruktion besondere Bedeutung zu, denn es
markiert die Zeitdauer, während der die vier genannten Ämter in
Kraft sein sollen und macht die Schlußfolgerung unumgänglich:
Nicht irgendwelche menschlichen Mittel oder Methoden können den
Bau der Kirche in gottgewollter Weise vorantreiben, sondern zur
Vollendung der Kirche ist die Wirksamkeit lebender Apostel – und
zwar bis zur Herbeiführung eines "anvisierten"
Vollkommenheitszustandes – absolut notwendig. Daraus ergibt sich
zwangsläufig die Frage: War etwa die Kirche, als ihr die Apostel
genommen wurden, in einem solchen Zustand der Vollkommenheit, so
daß die Amtswirksamkeit der Apostel nicht mehr nötig gewesen wäre?
Die Antwort kann – wie aus obiger Darlegung hervorgeht – nur
ein eindeutiges "nein" sein; denn statt Einheit und
"Vollkommenheit" des Glaubens fanden sich im Gegenteil
Verwirrung, Spaltung, Irrlehre und nicht zuletzt unverhohlene Mißachtung
der apostolischen Autorität. So kann es denn auch nicht
verwundern, daß der Verfasser des Hebräerbriefes die geistliche
Reife der angesprochenen Gemeinde nicht rühmen kann. Vielmehr
beklagt er den "Kindeszustand" seiner Adressaten: Obwohl
sie die christliche Wahrheit schon lange kennen und deshalb in der
Lage sein müßten, andere zu belehren, können sie doch nur
"Milch" anstatt "fester Speise" aufnehmen.
Weitere Klagen und Mahnungen ließen sich hinzufügen, bis hin
zu der Warnung, daß die Kirche selbst gefährliche Irrlehrer
hervorbringen werde; ja zuletzt werde gar ein großer Abfall in
ihr eintreten, und "der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn
des Verderbens", der sich in den Tempel Gottes setzt und sich
selbst als Gott ausgibt, werde erscheinen.
Wahrhaft erschreckende Aussichten, die im Hinblick auf die
Frage nach Fortdauer und Notwendigkeit des apostolischen Amtes den
Schluß nahelegen: Es war schwerlich der ursprüngliche und
eigentliche Wille Christi, seiner Kirche die Apostel zu entziehen,
sondern es war ein schmerzlicher Eingriff, seine wohlüberlegte
Reaktion auf den frühchristlichen Widerstand gegen die Autorität
der unmittelbar von ihm gesandten Boten. Somit war die mühevolle
"Wüstenwanderung" der Kirche schon vom ersten
Jahrhundert n. Chr. an vorgezeichnet, und von vornherein war
abzusehen: Kein Ersatzmittel würde den Verlust des apostolischen
Amtes in hinreichender Weise ersetzen können. Zwar ist die Kirche
durch die Jahrhunderte hindurch auf wunderbare Weise erhalten
geblieben; jedoch der in ihm vorausgesagte Abfall ist schon
erschreckend weit fortgeschritten, so daß zu befürchten ist:
"Noch viele werden in der Wüste sterben". Tröstlich
ist es deshalb, zu wissen, daß Gott gegen Ende der Wüstenwanderung
des alttestamentlichen Bundesvolkes einen Mann berief, der in der
Lage war, den noch unerfüllten Auftrag des Mose auszuführen und
das Volk in das verheißene Land zu bringen. Deshalb hat die
Hoffnung, daß auch das Volk des Neuen Bundes seinen
"Josua" bekommt, einen festen Grund: Gesandte Jesu
Christi, mit der Geisteskraft und der Vollmacht der ersten Apostel
versehen, so wie Josua mit der Herrlichkeit des Mose ausgestattet
war.
Auszug aus „Die Wende
aller Zeiten“
von Volker Meldau
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