Moderne  Apostel ! ?

Als Jesus seine 12 Jünger auswählte und sie als Apostel einsetzte, hatte er mehrere Gründe dafür. Ein Grund war, dass sie Ihn später selbst repräsentieren sollten. Er sagte: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf und wer euch nicht aufnimmt, der nimmt auch mich nicht auf“ (Mt.10,40). Jesus versprach den Zwölfen auch : „der heilige Geist wird euch alle Dinge lehren und er wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh.14,26). Nach der Himmelfahrt Jesu versuchten die ersten Gläubigen nicht allein nach dem zu leben, was Jesus gesagt hatte, sondern sie konzentrierten sich mehr auf die „Lehre der Apostel“ (Apg.1,42). Diese Lehre war identisch mit dem, was Jesus gesagt hatte. Als Paulus die Brüder in Galatien besuchte, nahmen sie ihn auf, als ob er Jesus Christus selbst wäre (Gal.4,14). Im Korintherbrief sehen wir, dass der Apostel wirklich als Jesu Repräsentant galt und auch so redete: „was ich euch schreibe, ist des Herrn Befehl  (1.Kor.14,37). Kein Wunder, dass es nur wenige gab, die mutig genug waren, den Mantel eines Apostels zu beanspruchen.

Aus der Schrift können wir zwei Typen von Aposteln unterschieden. Zuerst sehen wir die Apostel, die physisch die Gegenwart des Herrn und seine Auferstehung miterlebt hatten und die ganz persönlich von ihm ausgewählt und trainiert wurden. Sie prägten die ersten geistlichen und kirchlichen Normen der frühen Gemeinde. Sie waren die Autoren und Prüfer aller Bücher des neutestamentlichen Kanons der Bibel. Als persönliche Augenzeugen Jesu standen sie bei den Gläubigen in  besonderer Achtung. Der zweite Typ von Aposteln, zu denen Jakobus, der Bruder Jesu, Paulus, Barnabas, Timotheus, Titus, Judas, mit dem Zunamen Barsabas, und Silas, Andronicus and Junias, Apollos u.a. gehörten, bezogen sich im wesentlichen auf das, was Jesus gesagt hatte und auf die Lehren der 12 Apostel.

Die Gemeindegründer (pflanzer) von heute, die modernen Apostel, sind wie der zweite Typ von Apostel, sie bauen aber zusätzlich auf den Traditionen ihrer Vorläufer auf. In der deutschen und englischen Bibel ist das Wort “Apostel” eine Ableitung des griechischen Wortes “apostolos”. In der wörtlichen Übersetzung heißt es “Gesandter, Botschafter, Bote, der Gesendete (New International Dictionary of NT Theology, Brown). Das Verb “apostello” trägt die Bedeutung “gesandt mit einem besonderen Zweck”- auch kann das Verb bedeuten „jemand der beauftragt ist“ oder „der bevollmächtigte Bote“ (New Bible Dictionary, Davis, 57-60). Jerome, der das NT vom Griechischen ins Lateinische übersetzte, sah in dem Wort „apostolos“ die Wurzel des lateinischen Wortes „missio“ (das Grundwort für Missionar). Ist dir jemals aufgefallen, dass das Wort „Missionar“ nirgendwo in der deutschen und englischen Bibel zu finden ist. Trotzdem glauben die evangelikalen und charismatischen Christen, dass es Missionare gibt, weil der Missionar das dynamische Äquivalent für den Apostel ist. Ja natürlich, die Rechtfertigung für die Existenz der Missionare in unserer Zeit liegt in diesem neutestamentlichen Muster und in unserem Wissen über die Existenz und der Wirkung der Apostel. Moderne Gemeindegründungsbewegungen müssen sich auf das apostolische Muster beziehen, das wir in der Bibel vorfinden. Apostel wurden ausgesandt, um in bisher unerreichten Gebieten Gemeinden zu pflanzen, die Christen in den Gemeinden zur Reife zu führen und dann wieder zu gehen. Gemeindepflanzer sind wahre Apostel und sie werden heute genauso gebraucht, wie im ersten Jahrhundert. Nun, wie sollte unser moderner Apostel seinen Dienst ausführen? Was die zwölf ersten Apostel betrifft können wir sagen, dass die meisten von ihnen mehr als 17 Jahre von Jerusalem aus tätig waren, um Verlorene zu retten und schon Bekehrte im Glauben zu festigen. (Apg.1-7; 8,14; Gal. 1,11; 1,18; 2,1; 2,9 und Apg. 21,17-18). Gelegentlich unternahmen sie kurze Missionsreisen, die über Judäa hinausgingen. Nur Jakobus blieb immer am Ort.

Auf jeden Fall charakterisierte die dauernde Bewegung den Dienst der ersten Apostel, was bei den späteren Aposteln noch mehr zu sehen ist. Sie zogen umher, verkündeten das Evangelium und organisierten die Gemeinden. Sie ließen sich an keinem Platz dauerhaft nieder. Das ist natürlich weit entfernt von dem, wie heute Mission betrieben wird. Gelegentlich wurden eine zeitlang Trainingsstops an strategisch wichtigen Orten gemacht, doch dann verließen sie den Ort wieder. Zum Beispiel hielt sich Paulus etwa eineinhalb Jahre in Korinth, zweieinhalb Jahre in Ephesus und zwei Jahre in Rom auf. Er schaffte es immer wieder, der Versuchung, länger zu bleiben, zu wiederstehen. Timotheus wurde von Paulus angewiesen in Ephesus zu bleiben, um gegen die falschen Lehrer vorzugehen, aber als die Aufgabe erledigt war, empfahl er ihm, noch vor dem Winter zurückzukommen (2.Tim. 4,21). Entgegen dem, was oft angenommen wurde, war Timotheus als Apostel und nicht als Pastor in Ephesus tätig. Ein anderes Beispiel ist Titus. Er sollte in Kreta noch alles in Ordnung bringen und Älteste in jeder Stadt einsetzen und wenn das erledigt war, sollte er abreisen und sich wieder Paulus in Nicopolis anschließen (Tit. 3,12). Was hat denn die frühen Apostel motiviert, dauernd herumzureisen? Es war in erster Linie die dringende Aufgabe, die unerreichten Gebiete zu evangelisieren. Zu Timotheus sagte Paulus „Tu das Werk eines Evangelisten“. Die Apostel waren diejenigen, die das Evangelium verkündeten. (1.Kor. 9,14; 2.Tim. 4,5) und in den neuen Gebieten Gemeinden pflanzten.

Ein anderer Grund war, die Christen in den neuen Gemeinden zu stärken und aufzuerbauen  (Eph. 4,11-13). Ein Hauptunterschied zwischen einem Ältesten und einem Apostel ist, dass der Dienstbereich eines Ältesten allein auf die Gemeinde am Ort beschränkt ist, während das Arbeitsfeld eines Apostels universal verstanden wird und zeitlich begrenzt ist. Wenn ein Apostel Älteste trainiert und eingesetzt hat, zieht er weiter. Von diesem Zeitpunkt an ist es die Aufgabe der Ältesten die Gemeinde zu lehren und zukünftige Älteste zu finden, mit der gelegentlichen Hilfe eines Apostels, der gerade vorbeikommt.

Wir glauben, dass die ganze Bibel durch den Heiligen Geist inspiriert ist. Dazu zählt auch das, was über den Dienst der Apostel und der Ältesten geschrieben steht. Wenn wir es befolgen, wird es zu unserem Vorteil, wenn nicht, dann gereicht es uns zum Nachteil. Die Existenz mobiler und reisender Gemeindearbeiter ist in der Bibel festgehalten. Praktisch jede Gemeinde, die im NT erwähnt wird, wurde von apostolischen Teams gegründet und hielt die Beziehung zu diesen Teams danach noch jahrelang aufrecht. Reisende Gemeindearbeiter sind für die Gemeinde wie das Blut in einem Körper. Ihr Dienst ist Teil von Gottes Design für eine wachsende und gesunde Gemeinde. Gemeindepflanzer bestehender Gemeinden ziehen aus und pflanzen in unerreichten Gebieten neue Gemeinden, das ist das neutestamentliche Muster. Diese Dienste brauchen wir auch heute. Die modernen Apostel können auch bestehenden Gemeinden dienen, in dem sie ihnen helfen, in einer soliden und praktischen Lehre gegründet zu sein. Sie dienen als apostolische Lehrer in „Schulen auf Rädern“, sie trainieren und bilden Gemeindeleiter für ihre lokale Aufgabe aus (1.Tim.1,3; 3,14-15; 4,1-6,13; 2. Tim.1,13; 2,1-2,14; 4,1-5; Tit.1,5; 2,1-15).

Apostel des 21. Jahrhunderts müssen Diener der Gemeinden sein und nicht Herren, die über sie regieren. Obwohl sie anfänglich über die neuentstandenen Gemeinden die natürliche und ein-flussreiche Autorität eines Ältesten haben,  sind die modernen Apostel im Rang nicht höher als Älteste. Sie sind nicht wie die ersten 12 Apostel, denn wir müssen bedenken, dass der selbe Glaube für alle Heiligen gegeben wurde. (Judas 3). Keine neue Lehre ist mehr notwendig, kein neuer Brief muss geschrieben werden und wir brauchen keine neue Theologie, außer die, die uns durch die 12 Apostel überliefert wurde. Die Lehre eines Gemeindepflanzers muss deshalb mit den vorausgegangenen Überlieferungen und Offenbarungen der Zwölf übereinstimmen. Kein Zweifel, es werden bestimmt falsche Apostel kommen, deshalb müssen wir wie die Epheser sein, die jene Apostel geprüft und sie für falsch befunden hatten (Ofb.2,2). Moderne Apostel sind wie Paulus, Barnabas, Timotheus, Titus und Epaphroditus – sie sind Gemeindepflanzer, ausgesandt zu evangelisieren, Gemeinden zu starten, Jünger zu machen, Leiter zu entdecken und zu trainieren um dann an einen anderen Ort weiterziehen. Ihre Existenz und ihr Dienst ist für die heutige Gemeinde sehr wichtig. Kannst du eine Gemeinde ohne einen Apostel beginnen? Ja, vielleicht. Kann eine existierende Gemeinde ohne apostolischen Einfluss existieren? Ja, vielleicht. Kann eine Gemeinde ihre eigenen Ältesten, ohne Hilfe der Apostel einsetzen? Ja,  vielleicht. Aber das alles ist mühsam und geht viel einfacher, wenn es apostolische Arbeiter gibt, die sich um diese Dinge kümmern.

Zusammenfassung

Was eine Gemeinde nicht braucht sind:

1. Sogenannte Apostel, die versuchen über die Gemeinde wie ein Herrscher zu regieren. Apostel sind Diener der Gemeinde (Kol. 1,25; 2.Kor.13,4). Die Apostel sind dafür da, die lokale Leiterschaft zu stärken, nicht zu ersetzen.

2. Apostel, die in den Treffen der Gemeinde dominieren und die diese zu einer Ein-Mann-Show machen. Ein Apostel ist wie ein Coach und nicht wie die Spieler. Die Gemeinde gehört den Brüdern und nicht dem Apostel.

3. Apostel, die nur von der Gemeinde leben. Apostel haben das Recht auf Unterstützung, aber sie sollten auch bereit sein, ihren Unterhalt selbst zu verdienen.

4. Apostel, die mit dem Wort Gottes Geld verdienen wollen und Schulen beaufsichtigen wollen.

Was die Gemeinde dringend braucht:

1. Wir müssen dafür beten, dass Gott moderne Apostel aufstehen lässt, die anfangen biblische Hausgemeinden zu pflanzen (Mt.9,37-38). Frage Gott, und (oder) andere Gläubige, ob du einen Ruf für den apostolischen Dienst hast. Es kann sein, dass du selbst die Antwort auf dein Gebet bist.

2. Bete für die, die bereits evangelistische Arbeit tun (Eph 6,19-20; Kol. 4,2-4).

3. Gib Geld, um vollzeitliche Apostel (und Evangelisten) zu unterstützen (1.Kor.9,14).

4. Sei offen für den Dienst und die Hilfe des apostolischen Dienstes. Der Einfluss reisender Apostel kann einer Hausgemeinde wesentlich beim Wachstum behilflich sein. Durch den Dienst der Apostel kann die Hausgemeinde an einem intakten Netzwerk angeschlossen werden. Isolierte Gruppen verfehlen Gottes Perspektive für sein Reich.

frei übersetzt von Richard Schutty nach einem Artikel von Steve Atkerson.

 

2. Arthur Katz zum Thema „Apostolische Fundamente“

„Ich habe großen Respekt vor dem Wort apostolisch. Seine Bedeutung zu verlieren heißt, den Glauben selbst zu verlieren. Es ist ein ultimatives Wort, ein Wort, das von den blassen Beschreibungen und Hülsen befreit werden muss, die religiöse Menschen ihm gegeben haben. Es ist ein Wort, das verrostet ist und wiederhergestellt werden muss – und dies wird einen hohen Preis kosten.

Wie bei jedem großen biblischen Ausdruck finden wir ihn nicht in einem Lexikon erklärt. Und: wir werden die Bedeutung nicht finden – sie wird uns finden! Es geht darum, die Echtheit dieses Wortes, das, was es für die erste Kirche bedeutete, wiederzuerfassen. An ihrem Anfang war die Kirche apostolisch – und sie wird es auch wieder am Ende ihrer Geschichte sein. Eine Kirche mit apostolischen Grund ist ein Verbund aus Menschen, dessen zentraler Antrieb und Lebensprinzip, Wesen und Dienst nur aus einer einzigen Sache besteht: einer radikalen und totalen Eifersucht für die Ehre Gottes. In der Auseinandersetzung mit dem Apostolischen möge daher etwas in unseren Geist und das Mark unserer Existenz kommen, das uns niemals loslassen wird.

Aus Ermangelung einer wahrhaft apostolischen Kirche sind Selbsthilfegruppen entstanden, christliche Werke, Missionsgruppen, die bestenfalls temporären Charakter haben können und die unter Gottes zeitweiliger Zulassung stehen. Gott wacht eifersüchtig über dem Begriff des Apostolischen. Denn wenn die Kirche tatsächlich auf dem Fundament der Apostel und Propheten auferbaut ist, dann müssen wir dieses Wort in seiner tiefsten Bedeutung zu verstehen suchen. Sonst werden wir niemals Teil dessen werden können, was in seiner Essenz die Kirche wirklich zur Kirche von Jesus Christus macht.

Die griechische Wurzel des Wortes apostolisch ist apostolos, und bedeutet „der Gesandte“. Das, was nicht wirklich von Gott gesandt wurde, kann auch nicht ausrichten, wozu es von Gott gesandt wurde. Wie gesandt ist das, was wir derzeit tun? Wie apostolisch ist es? Wenn wir auf die Frucht des Handelns der Kirchen und Werke sehen –was sehen wir wirklich?

Moses, der Apostel: (Ex 3,1-15) „Ich, der ich dich gesandt habe“
Moses und Paulus waren zwei große Meister-Bauer; Schlüsselfiguren in den Absichten Gottes, die das Volk Gottes nicht nur aus der Sklaverei herausführen sollten, sondern hineinführen in ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Es reicht nicht aus, Menschen nur zu befreien, sondern sie müssen auch hineingebracht werden in das verheißene Land! Moses, obwohl von Gott berufen, war lange Zeit nicht qualifiziert, ein Befreier zu sein. Es mangelte ihm an Furcht Gottes, an Bewusstheit über die Gegenwart Gottes. Er war zu horizontal orientiert, im Diesseits zuhause. Dadurch sehen wir nur die Not – aber noch lange nicht Gott. Nur eine Not zu sehen, einen Bedarf, und diesen dann zu stillen ist keinesfalls eine Begründung für christliche Aktivität. Wir müssen aufsehen auf Gott, sonst drehen wir uns aktiv im Kreis. Es gibt nichts, was dem Handeln Gottes massiver im Weg steht als gut gemeinte menschliche Absichten, die aus humanistischem oder religiösen Eifer entstehen.

Und so müssen diese menschlichen Absichten sterben, sonst stehen sie Gott im Weg. Der Weg dazu ist unser Tod. Und nichts ist tödlicher als Warten. Scheinbar tatenloses Warten. Moses bei den Schafen, Paulus in der Wüste, in Tarsus. Wer aus Ungeduld zu handeln beginnt – oder weil die unruhige Gemeinde ein Programm will, verspielt nicht nur sein geistliches Erstgeburtsrecht. Ungeduld, Eigenwille, religiöse Ambitionen, die Notwendigkeit, etwas zu tun – und dabei beobachtet zu werden, dass und wie man es tut, der Wunsch anerkannt und respektiert zu werden – all das ist der Tod für die wahren Absichten Gottes.

Als Moses deshalb mit 80 Jahren fragte: „Wer bin ich, das du mich senden solltest?“, da war Moses ein alter, gebrochener Mann, der sich nicht länger auf seine menschlichen Qualifikationen verlassen konnte. Seine Hände waren leer, sein Ruf dahin, seine Kraft vorbei, niemals würde er in der Lage sein auch nur daran zu denken, das Volk Gottes aus der Versklavung zu retten. Und doch ist kein Mann besser für eine solche Aufgabe qualifiziert als der, der von ganzem Herzen felsenfest davon überzeugt ist, dass er disqualifiziert ist. Hier ist Gott am Werk: er disqualifiziert uns, bevor wir uns qualifizieren können. Und nur deshalb konnte Mose schließlich handeln, nicht weil er die Not sah und er dann verantwortlich handelte, sondern einzig und allein, weil er auf die Sendung von Gott reagieren konnte der sagte: „Ich habe das Schreien von Israel gehört“. Deshalb ist die Grundlage für unser Gehen nicht unser Sehen, sondern Gottes Senden – zum Zeitpunkt und zu den Bedingungen, die er bestimmt – und sonst niemand.“

Aus dem Buch "Auf der Grundlage der Apostel" (ISBN 3-932994-05-1) Dies Buch ist ab Sommer 2005 erhältlich 

 

3. Wie Apostel bauen 

Der Schweizer Prophet Andrea Xandry führt in seinem Büchlein „Gemeinde im Sturm“  aus, dass die derzeitige, von vielen Seiten durchgeschüttelte Kirche, vergleichbar ist mit dem Schiff des Paulus kurz vor Malta: „Niemand kam um, außer das Schiff...“
„Wenn wir das Ziel aus den Augen verloren haben, verdoppeln wir die Geschwindigkeit,“ sagte Mark Twain. Und wir? Nach welcher Zielvorgabe, nach welcher Vorlage bauen wir? Welchem Bauplan, welchem Ziel für Gemeinde folgen wir – ob unbewusst oder bewusst? Welchem Original haben wir uns verpflichtet, und: wie originell ist unser Original wirklich?

„Wenn der Herr das Haus nicht baut, arbeiten die Bauleute umsonst.“

Die Bibel kennt zwei grundverschiedene Bauprinzipien: 

1. Das Bauen nach Gottes Muster 

2. Das menschlichen Bauen.

Wir Menschen denken in der Regel nicht so, und kennen daher eine weitere Methode:

3. Mischformen von 1 und 2, Mischformen der Mischformen

Wenn Gott baut... baut er immer nach einem „himmlischen Vorbild“:

1. Noah baute seine Arche nach einem detaillierten Bauplan Gottes:

Das Material, die Proportionen, die Fenstermasse und die Türplazierung gab Gott vor. Erst im Jahre 1886 wurde ein Schiff gebaut, das größer als die Arche Noah war. Schiffsbauer versichern uns, dass die Proportionen 300/50/30 Ellen geradezu ideale Masse für ein stabiles Frachtschiff sind, das auf zwei Wellenkämmen gleichzeitig reiten kann.

2. Mose baute die Stiftshütte nach Gottes Anweisung:

„Und siehe zu dass du es machst nach dem Bild, das du auf dem Berg gesehen hast“ (2. Mose 25,40). Mose hatte hier einen kurzen Einblick in den Himmel erhalten. Gott zeigte ihm seinen Bauplan für die Stiftshütte, und er gab ihm genial begabte Baumeister wie Bezaleel und Oholibab an die Seite, Leute „erfüllt mit dem Geist Gottes, Weisheit, Verstand, Erkenntnis und Geschicklichkeit, kunstreich mit ... Steinen und Holz zu arbeiten“. (2. Mose 31,1-7).

3. Salomo baute den Tempel nach einem Vorbild, das David direkt von Gott gezeigt bekommen hatte.(1. Chr. 28,19)

Ein Bauwerk auf Erden nach einem im Himmel existierenden Bauplan. Und wieder war es nötig, dass nicht X-beliebige Architekten, Baumeister und Arbeiter den Job taten, sondern nur die allerbesten waren gut genug: Hiram, ein „weiser Mann...der weiß zu arbeiten an Gold, Silber, Steinen, Holz...“ (2.Chr. 2). Der Tempelbau entstand an genau dem gleichen Ort (Morija, der Ort wo Abraham mit Isaak opfern sollte), den Gott David dafür gezeigt hatte (2. Chr. 3,1).

4.  Der Bau der neutestamentliche Gemeinde  (der Leib Christi):

In 1.Kor.12 zeigt uns Gott einen Weg, wie die neutestamentliche Gemeinde gebaut wird.

„Der Heilige Geist teilt aus, wie er will. = Souveränität des Heiligen Geistes.

Feste Grundstrukturen: stabiles Fundament, Säulen - durch die Dienste

Flexible Bauelemente: bewegliche Formen – durch natürliche und geistliche Gaben

Das Prinzip:

Gott hat einen himmlischen Bauplan für sein Volk, für seine Gemeinde, wo er angebetet werden will. Transferiert durch bestimmte Menschen, die zwischen Himmel und Erde stehen und eine „Transportfunktion“ haben gibt er seinen Plan an sein Volk weiter. Das geschaute Original wird dann von den begabten Menschen, die Gott speziell dafür einsetzt, praktisch umgesetzt.
Im AT waren das Noah, Mose, David, im NT sind das die Apostel und Propheten, die er sich für diese Aufgabe gewählt hat. Diese sind:
1. Weise Baumeister (1. Kor. 3,6).Von Gott begabte Baumeister und Architekten. Paulus beschreibt sich selbst als „weisen Baumeister“ (archi tekton= Ober-Bauer), er hat das Evangelium nicht von Menschen übernommen, sondern in einer Offenbarung selbst geschaut.                                                                      2. Fundamenteleger (Eph. 2,20): Die Gemeinde, aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten.


Wenn der Mensch baut...
Der erste Mensch, der in der Bibel etwas baut, ist Kain: er baut die Stadt Enoch, als Fluchtburg vor Gott, nachdem er ein schollenloser Nomade geworden ist. Gott erschuf den Garten - der von Gott getrennte Mensch erfindet als erstes die Stadt – und nennt sie nach allem, was ihm noch lieb ist, nachdem er Gott verloren hat: seinem Sohn.
Bald darauf stossen wir auf den Turmbau zu Babel: „Und sie sagten einer zum anderen: „Wohlan, lasst uns Ziegel streichen und brennen! Und sie nahmen Ziegel statt Stein, und Asphalt als Mörtel. Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen...“ (1. Mose 11). Ziegel statt Stein! Es ist wie wenn Moses hier sagen möchte: seht, wie weit der von seinem Schöpfer getrennte Mensch geht, er nimmt noch nicht mal das überall frei verfügbare Baumaterial, Steine und Holz, sondern schafft sich sogar sein eigenes Baumaterial. Ziegelsteine, ist denn das zu fassen?!
Ich glaube, dass wir als gesamte Christenheit deswegen so große Gemeinde- Probleme haben, weil wir das göttliche Original, den Zugang zu einer apostolischen Architektur, so restlos verloren haben. Weil wir geradezu besessen sind vom Gedanken an den idealen Ziegelstein, dem geduldigen Material für unseren Kirchentraum. Dem idealen Kirchenmitglied, dem idealen Mitarbeiter. Quadratisch, praktisch, tot.

(Gedanken von Wolfgang Simson/ ergänzt Richard Schutty)

 

4. Wichtige Merkmale von echten Aposteln anhand der Schrift

1.
Ihre Autorität ist vom Himmel
Sie sind vom Herrn selbst eingesetzt (Gal 1,1; Eph 1,1; Kol 1,1; 2.Tim 1,1)
Kein Mensch kann Apostel ernennen oder einsetzen. Ein apostolisches Team kann nicht von Menschen organisiert werden, sondern wächst aus tiefen Beziehungen heraus!
Apostel sind zu allererst dem Herrn verantwortlich und wollen mehr dem Herrn als Menschen gefallen. Deshalb können sie in Liebe kühn sein.

Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht. Gal 1,10

2. Vaterschaft
Sie geben den Gläubigen durch ihre Vaterschaft Schutz, Geborgenheit und eine Anschauung der Liebe des himmlischen Vaters.
So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart. 1.Thess 2,8 ....
Wir aber, Brüder, da wir für kurze Zeit von euch verwaist waren, dem Angesicht, nicht dem Herzen nach, haben uns um so mehr mit großem Verlangen bemüht, euer Angesicht zu sehen.
1Thess 2,17....
Wobei wir Nacht und Tag aufs inständigste bitten, euer Angesicht zu sehen und das zu vollenden, was an eurem Glauben mangelt? 1Thess 3,10

Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen. Apg 20,31

3. Apostel setzen den Standard für gesunde Lehre
So wie ich dich bat, als ich nach Mazedonien abreiste, in Ephesus zu bleiben, damit du einigen Weisung erteilen solltest, nichts anderes zu lehren. 1Tim 1,3

Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht! Gal 1,8

Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht! 2.Joh 10

4. Sie dienen dem Herrn in selbstloser Weise
Apostel dienen dem Leib Christi und nicht sich selbst. Sie wollen die Gemeinde nicht für sich, sondern für den Herrn. Sie bringen das Volk Gottes in Mündigkeit und Reife, indem sie helfen, Christus im Geist zu erkennen. Sie sind bestrebt, andere für den Dienst zu trainieren und freizu-setzen.
Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen. 2.Kor 11,2
Gott, der Vater, hat einen überaus brennenden Eifer, Seinem Sohn eine reine Braut zu präsentieren. Er kann und wird es nicht dulden, dass das Herz der Braut geteilt ist. Dieser Eifer lebte in Paulus und war die Kraft seines Dienstes. Er kannte und demonstrierte den Eifer des Herrn.

Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er? 1.Kor 10,22

5. Ihr Dienst geschieht mit göttlicher Befähigung, nicht in menschlicher Kraft oder Weisheit
Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen. Phil 3,3

Wobei wir Nacht und Tag aufs inständigste bitten, euer Angesicht zu sehen und das zu vollenden, was an eurem Glauben mangelt? 1.Thess 3,10

Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen. Röm 1,11


6. Sie sind Vorbilder für alle Gläubigen
Ein wesentliches Merkmal echten apostolischen Dienstes ist eine Haltung der Transparenz, Dienerschaft, Nahbarkeit und Ansprechbarkeit.

Du aber bist genau meiner Lehre gefolgt, meinem Lebenswandel, meinem Vorsatz, meinem Glauben, meiner Langmut, meiner Liebe, meinem Ausharren. 2.Tim 3,10

Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein. Phil 4,9

Der Schwerpunkt liegt meiner Meinung nach nicht so sehr auf dem, was ein Apostel tut, sondern was er ist, d.h. was der Herr schon in ihm wirken konnte. In folgender Beschreibung des Dienstes von Paulus sehen wir Reife, Reinheit, Dienerschaft und Vaterschaft des apostolischen Dienstes:
Denn unsere Ermahnung geschah nicht aus Irrtum, noch aus Unlauterkeit, noch mit List;
sondern wie wir von Gott tauglich befunden worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. Denn weder sind wir jemals mit schmeichelnder Rede aufgetreten, wie ihr wißt, noch mit einem Vorwand für Habsucht - Gott ist Zeuge, noch suchten wir Ehre von Menschen, weder von euch noch von anderen, obwohl wir als Christi Apostel gewichtig hätten auftreten können; sondern wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt.
So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart.
Denn ihr erinnert euch, Brüder, an unsere Mühe und Beschwerde: Nacht und Tag arbeitend, um niemand von euch beschwerlich zu fallen, haben wir euch das Evangelium Gottes gepredigt.
Ihr seid Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und untadelig wir gegen euch, die Glaubenden, waren; wie ihr ja wißt, daß wir euch und zwar jeden einzelnen von euch, wie ein Vater seine Kinder ermahnt und getröstet und beschworen haben, des Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft. 1.Thess 2,3-12

7. Apostel sorgen für göttliche Ordnung im Volk Gottes
Sie setzen Älteste in den Gemeinden ein. (Apg 14,23; Tit 1,5)
Paulus konfrontiert und korrigiert Petrus, der in Heuchelei gefallen war. (Gal 2,11-14)
Paulus fordert die Korinther auf, Sünde in ihrer Gemeinde zu richten. (1.Kor 5,7.13)
Apostel können unter der Führung des Heiligen Geistes göttliches Gericht über Böse vollstrecken. (Annanias und Saphira in Apg 5,1-11, Elymas, der Zauberer in Apg 13,6-12)
... unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern. 1.Tim 1,20

Überhaupt hört man, daß Unzucht unter euch sei, und zwar eine solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht stattfindet: daß einer seines Vaters Frau habe. Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht vielmehr Leid getragen, damit der, welcher diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte hinweggetan würde! Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste anwesend, habe schon als anwesend das Urteil gefällt über den, der dieses so verübt hat, -wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid- einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn. 1.Kor 5,1-5

Diese Art der geistlichen Regierungsgewalt in der Schrift zu sehen, ist eine Sache, aber die Vorstellung, so etwas würde heute unter uns geschehen, konfrontiert uns mit dem verborgenen Humanismus in uns. Der Preis für göttliche Autorität wird die Abkehr von allen weltlichen Prinzipien und Haltungen sein, was unweigerlich den Hass der Welt auf uns ziehen wird. Die Wiederherstellung des Dienstes der Apostel wird nur durch eine völlige Hingabe an den Herrn möglich sein.
Wenn wir erleben müssen, wie immer wieder einzelne Gemeinden durch Fehlverhalten eines Leiters, der sich selber niemanden gegenüber verantwortlich fühlt, durch ungesunde Lehre oder Praktiken, großen Schaden nimmt, dann verstehen wir die Notwendigkeit von apostolischen Diensten.

8. Apostel arbeiten mit anderen Aposteln und Propheten zusammen
Als in Antiochia ein Problem wegen Lehrfragen entstand, wandten sich die Apostel Paulus und Barnabas an die anderen Apostel in Jersualem. (Apg 15) Echte Apostel erkennen andere Apostel aus anderen apostolischen Teams an und haben Beziehungen zu ihnen. Sie stehen nicht in Konkurrenz zu ihnen.  In Apostelgeschichte Kapitel 13 sehen wir, wie Lehrer und Propheten miteinander Gemeinschaft haben und gemeinsam dem Herrn dienen.
Der Schwerpunkt des Dienstes der Propheten liegt nicht so sehr im Abhalten prickelnder Versammlungen, wo den Einzelnen dramatische Worte gegeben werden, sondern im Offenbaren von Gottes Herz und im Anleiten zur Furcht des Herrn.
Ohne den prophetischen Dienst wird auch der apostolische Dienst nicht wiederhergestellt werden!
Ein wesentliches Merkmal von geistlicher Reife ist die Reinheit des Herzens, die Echtheit, wo das, woran man vorgibt zu glauben, zu leben und zu arbeiten, auch wirklich die treibende Kraft im Herzen ist. Ohne den prophetischen Dienst kann diese Tiefe der Reinheit nie erreicht werden.
Echte Apostel sind durch diese Prozesse hindurchgegangen und arbeiten nicht aus der Kraft verborgener Motive.

9. Sie warnen vor falschen Arbeitern in Gottes Reich
Ein sehr wesentliches Merkmal des Wirkens der vom Herrn gegebenen Dienste, und ganz besonders der Apostel, wird uns in der bekannten Passage in Epheser Kap. 4,11-16 gezeigt.
Die Apostel und die anderen Dienste verfolgen ja ein göttliches Ziel, sie sind uns gegeben zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Eph 4,12
Diese Reife und Mündigkeit der Gläubigen besteht auch ganz wesentlich darin, die ungesunden Einflüsse im Volk Gottes zu erkennen, um sich von ihnen fern zu halten.
Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.
Laßt uns aber die Wahrheit bekennen in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Aus ihm wird der ganze Leib gut zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk des Dienstes, entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe. Eph 4,13-16

Weil der Auftrag dieser vom Herrn gegebenen Dienste darin besteht, Gottes Volk in Reife, Mündigkeit und Dienst zu führen, müssen sie sich auch mit den Dingen befassen, die dieses Ziel aufhalten wollen. Deshalb lehren sie über Gottes Maßstab bezüglich Leiterschaft, beschreiben mit deutlichen Worten den verkehrten, anmaßenden und mißbrauchenden und ausbeuterischen Leiterschaftsstil, der die Gläubigen an Leiterpersönlichkeiten oder organisatorische Strukturen bindet statt an den Herrn und sie so versklavt und daran hindert, ihr vom Herrn gegebenes Potential zum Dienst zu entwickeln.

Diese wichtige Aufgabe der Belehrung über falsche Dienste und der Warnung vor diesen verkehrten Diensten haben die Apostel Paulus und Petrus in ihren Briefen gründlich wahrgenommen. Nimm dir einmal Zeit, herauszufinden, wie viel Raum die Behandlung dieses Themas in ihren Briefen einnimmt! Du wirst mit Erstaunen feststellen, dass dies für sie ein ganz wesentlicher Schwerpunkt war. Sie wollten unbedingt, dass die Gläubigen verkehrte, Schaden bringende Dienste erkennen konnten. Diesen Eifer hatten sie vom Herrn selbst bekommen. Er lobt die Gemeinde in Ephesus für ihren geistlichen Scharfblick.

Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und daß du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner erkannt. Offb 2,2

Die Gemeinde von Ephesus hatte die Fähigkeit, Dienste zu prüfen. Jesus tadelte sie nicht wegen Misstrauens. Manche Gläubige fühlen sich schuldig, wenn sie Vorbehalte gegen gewisse Dienste haben, an denen sie Unaufrichtigkeit oder Machtgebaren erkennen. Wir können und sollen solchen Diensten kein Vertrauen entgegenbringen. Die Epheser wurden vom Herrn gelobt, weil sie Böse nicht ertragen konnten. Was für ein Gegensatz zu den Korinthern, die auf falsche Apostel hereingefallen waren.

Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut. 2.Kor 11,4


Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand euch einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand Gesicht schlägt. 2.Kor 11,20

von Hartwig Henkel

 

5. Der Apostolische  Dienst in der Gemeinde

(aus einem Vortrag von Derek Brown, Kings Church Church in Südengland

1. Erschütterungen (Mt. 7,18-29)

Wichtig für die Gemeinde sind nicht nur die charismatischen Aktivitäten, sondern besonders wichtig ist der konkrete Aufbau der Gemeinde. Die Tatsache, dass wir Dämonen austreiben können und in verschiedenen Gaben wirken, ist keine Garantie, dass wir als Gemeinde nicht erschüttert werden können und zerstört werden können. Nur die Fähigkeit, das Wort Gottes zu hören und zu tun, lässt uns feststehen bei den Erschütterungen, die kommen werden.

2. Das feste Fundament  Eph.4.11-16 und 1.Kor.12.28

Es ist egal, wie lange eine Arbeit, eine Gemeinde oder ein Werk besteht, es kommt auf das Fundament an. Und dass auf das richtige Fundament gebaut wird. Jede Arbeit, die der Stärkung und Festigung der Gemeinde dienen soll, muss diese Absicht haben. Umsetzung:

  1. Die Heiligen müssen für das Werk des Dienstes zugerüstet werden (V.12)
  2. Die Einheit der Gläubigen muss gesucht werden (V.13) Das ist das Hauptziel des apostolischen Dienstes in der Gemeinde. Es beinhaltet: Anweisungen zu geben, Beziehungen in Ordnung zu bringen, z.B. auch Ausschluss wegen Unmoralität vollziehen,  Spaltungstendenzen entgegenzuwirken. (Röm.16.17-19)
  1. Die Reife der ganzen Gemeinde suchen (V.13) ist vorrangiges Ziel
  2. Deshalb auch Bewahrung vor: Instabilität durch  falsche Lehre (Apg.2.42) Instabilität kommt daher, dass man sich Lehre anhört, die von Leuten kommt, die nicht unter der Autorität  eines apostolisch- prophetischen Dienstes stehen.
  1. und Schutz vor: Verführung durch falsche Lehre und durch modische Lehre, nach dem es juckt Der Wind der Lehre und Betrügerei muß geprüft und erkannt werden (2.Kor.4.2)

Jeder apostolische Dienst muss ein Ziel und ein konkretes Ergebnis haben. Man kann einen Dienst tun, ohne etwas zu bauen, ohne ein solches Ergebnis und Ziel zu haben.

 3. Worauf soll gebaut werden   1.Kor.3.10

Es gibt verschiedene Dienste zum Bau des Fundamentes: Der Apostolische Dienst, derProphe          tische Dienst, der Lehrdienst ( wenn er aus den beiden ersten Diensten kommt)

Wegen der Offenbarung, die Paulus bekam, konnte er das Fundament bauen. 2.Tim.2.2 > Wir müssen eine Verantwortung gegenüber dem Wort Gottes für andere haben. Der Charakter eines Leiters ist besonders wichtig. (Jak.3.1) Der Sinn von echtem Gemeindebau ist es, auf dieses Fundament zu bauen. Deshalb ist es zuerst sehr wichtig Männer und Frauen auszusuchen, die diese besonderen charakterlichen Voraussetzungen haben. Z.B. Treue, Gehorsam Wahrhaftigkeit, u. a. – Gehorsam ist besser als Opfer – Treue ist besser als die charismatischen Gaben ... 2.Kor.10.1-

4. Wie soll gebaut werden? 1.Thes.1

Es wird gebaut durch Ermahnung und Tröstung. (Röm.1.11u.12) Es geht nicht nur darum, dass Gaben da sind, sondern dass sie auch richtig in einer Struktur funktionieren. Die Leute müssen zusammengebaut werden  - Eph.4.16: ... wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden ...

1.      Fundament Jesus Christus

2.      Das Wort Gottes - 2.Tim.2.16, Mt.7.1-6, Hebr.12 - nichts anderes

3.      Gehorsam zum Wort

4.      Autorität (ausüben, annehmen) Röm13.1-6, 1.Petr.2.13-17, Hebr.13.17

5.      Liebe untereinander üben (Eph.3.17)

6.      Buße und Taufe 

7.      Apostolische Lehre, Brotbrechen, Gemeinschaft, Gebete (Apg.2.45)

8.      Vision: Es gibt nichts an Problemen in der Gemeinde Jesu, was nicht geklärt werden könnte. Wir müssen unterscheiden zwischen Haltung, Einstellung und der Person selbst.

 

 

6. Wesen und Auftrag des apostolischen Amtes

Nach katholisch-apostolischer Auffassung ist das apostolische Amt – auch nach dem Abgang der frühchristlichen Apostel – für die Kirche von allergrößter Bedeutung. Die Übersetzung des aus der griechischen Sprache stammenden Begriffes Apostel ist schlicht und einfach "Gesandter". Im Neuen Testament wird zwischen Aposteln im weiteren und engeren Sinne unterschieden. Ein Apostel im weiteren Sinne ist beispielsweise Titus, der von seiner Gemeinde nach Rom gesandt wurde, um dem dort im Gefängnis sitzenden Paulus eine für ihn gesammelte Geldsumme zu überbringen. In ähnlicher Weise ist im 2. Korintherbrief von "Brüdern" die Rede, die als Apostel der Gemeinden "zur Ehre Christi wirken". Auch hier handelt es sich nicht um Apostel Jesu Christi im engeren Sinne, sondern um Abgesandte einer Gemeinde, die besondere, fest umrissene, aber zeitlich befristete, Aufträge ihrer Gemeinde zu erfüllen haben.

Darüber hinaus ist der Apostelbegriff im Neuen Testament auch feststehende Bezeichnung für das höchste kirchenleitende Amt. Wenn das Wesen der Kirche auch geistlicher bzw. charismatischer Natur ist, so darf doch der Aspekt der Herrschaft Christi in seiner Kirche nicht unberücksichtigt bleiben. Sollte doch der Heilige Geist nicht kommen, um sich selbst zu verherrlichen, sondern Christus. Dieser ist aber "ins Fleisch", d.h. in die Natur eines gewöhnlichen Menschen gekommen. Somit hat die Fleischwerdung des Sohnes Gottes die Möglichkeit der Gegenwart Gottes in und durch Menschen – sofern er sie dazu beruft und fähig macht – eröffnet.

Diese Möglichkeit ist mit der Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingsttage im vollen Maße Wirklichkeit geworden, indem die zwölf Apostel, die bis auf Matthias vom irdischen Jesus berufen worden waren, durch den Heiligen Geist Kraft und Vollmacht empfingen, das Werk des Auferstandenen weiterzuführen. Dieses Werk besteht in Gründung, Aufbau und Leitung der Kirche Christi, mit dem Ziel ihrer Vorbereitung auf seine persönliche Rückkehr zur Aufrichtung seines Friedensreiches. Die Aufgaben bzw. Vorrechte der Apostel waren im wesentlichen die folgenden:

1. Christliche Gemeinden zu gründen.

2. Das Evangelium allen Menschen zu verkündigen.

3. Alle Völker zu taufen und sie zu lehren.

4.. Das Heilige Abendmahl zu verwalten.

5. Sünden zu erlassen und zu behalten.

6. Verordnungen und Weisungen zur Leitung der Gesamtkirche zu erlassen.

7. Verwaltungsfragen zu regeln.

8. "Durch den Geist bezeichnete Männer" in verschiedene Dienstämter einsetzen.

9. Den Getauften mittels Handauflegung den Heiligen Geist mitzuteilen.

In neutestamentlicher Sicht sind Apostel das Einheitsband der Gesamtkirche. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist hat die Kirche durch sie, und nur durch Apostel Jesu Christi kann sie zur "Vollkommenheit" gelangen, d.h. auf den Tag seiner Wiederkunft in notwendiger Weise vorbereitet werden.

Apostel verkündigen den vollkommenen Willen Christi. Er selbst kommt in ihnen zu seiner Gemeinde. Apostel sind die "Haushalter über die Geheimnisse Gottes"; sie haben Christi Sinn und reden nicht ihre eigenen Worte, sondern die Worte und Gebote ihres Herrn. Mehr noch: Eine andere Wahrheit als die von Aposteln verkündigte gibt es schlechterdings nicht.

Nach Epheser Kap. 2, 20 ist die Kirche auf dem Grund der Apostel und Propheten erbaut. Hier ist nicht von den Schriften toter Apostel und Propheten – und erst recht nicht von alttestamentlichen prophetischen Büchern – die Rede, sondern es geht hier um die Gegenwart lebender Menschen, die apostolische bzw. prophetische Funktionen in der Kirche ausüben, denn Christus ist nicht der Eckstein eines aus biblischen Büchern bestehenden Grundes. Das Haus der Kirche muß, soll es stabil und tragfähig sein, auf dem Fundament lebender Menschen gebaut sein, die vom Herrn der Kirche mit der notwendigen Vollmacht, mit allen Gaben und Kräften des Heiligen Geistes, ausgerüstet sind.

Während im Katholizismus die apostolische Autorität dem Bischof von Rom und dem ihm zugeordneten Klerus übertragen wurde, lag es im Wesen des Protestantismus und seiner nicht selten einseitig betonten Lehre vom Priestertum aller Gläubigen, das Recht und die Fähigkeit der Ausübung der ursprünglich den Aposteln vorbehaltenen Tätigkeiten der Gesamtheit der Gläubigen zuzuordnen. Zwar sollte dabei die Heilige Schrift als alleinige Richtschnur in den Fragen der Lehre und des Lebens gelten, doch waren mit diesem Prinzip Uneinigkeit und Spaltungen schon vorprogrammiert. Denn die Bibel vermag nun einmal nicht selbst das Wort zu ergreifen, um etwa strittige theologische Fragen zu erörtern oder gar zu schlichten. Viele, ja unzählige Lösungsmöglichkeiten sind denkbar. Deshalb ist eine verbindliche und allgemein anerkannte Instanz, die in Fragen der Lehre, des Lebens und der Verkündigung anhand der Schrift klare Richtlinien festlegt, unumgänglich. Tatsächlich finden sich – mehr oder weniger stark ausgeprägt – auch in den protestantischen Kirchen geistliche Leitungsinstanzen.

Nach katholisch-apostolischer Auffassung hat ein konsequent praktiziertes Sola-Scriptura-Prinzip mit neutestamentlicher Theologie so viel gemeinsam wie der Aussagegehalt der Behauptung, jeder mündige Christ dürfe – mit der Bibel in der Hand – sich als sein eigener Apostel und Lehrmeister betrachten, dem allein er Gehorsam zu leisten und Rechenschaft abzulegen habe. Es lasse sich auch keine Schriftstelle anführen, die den Beweis erbringt, die biblischen Schriften allein sollten oder könnten der Kirche in der Zukunft alles das leisten, was am Anfang die Apostel ausrichteten.

Überhaupt waren sämtliche "Ersatzmittel", die im Laufe der Kirchengeschichte an die Stelle apostolischer Amtsvollmacht traten, keinesfalls geeignet, diese Lücke, die um die erste Jahrhundertwende entstand, zu schließen: Ein in stringenter Weise praktiziertes Schriftprinzip, das den Stellenwert des kirchlichen Amtes vernachlässigt, wenn nicht vollkommen außer acht läßt, das fromme Selbstbewußtsein des einzelnen, die autonome und aufgeklärte Vernunft und, aus dieser erwachsen, der historische Kritizismus, ferner die Tradition der Kirche und auch ein in bischöflicher Sukzession stehendes Lehramt – alle diese können in keiner Form ein hinreichender Ersatz für die Gegenwart lebender Apostel sein.

Die Art und Weise der Berufung eines Apostels ist von Fall zu Fall verschieden. Während Jesus zunächst mündlich berief, wurde Matthias per Losverfahren ermittelt, Paulus und Barnabas dagegen empfingen den Ruf unmittelbar vom erhöhten Herrn. Ihre feierliche "Aussonderung" durch den Heiligen Geist, d.h. durch das Wort der anwesenden Propheten, begründete nicht ihre apostolische Autorität, sondern markierte lediglich die Herauslösung aus ihrer bisherigen Tätigkeit und somit den Beginn ihrer apostolischen Amtswirksamkeit.

Die jeweilige Verschiedenheit in der Art und Weise der Berufung und Aussendung von Aposteln läßt deutlich werden, daß dieses Amt weder eine persönliche Benennung durch den irdischen Jesus noch einen persönlichen Umgang mit ihm während der Zeit seiner irdischen Wirksamkeit unabdingbar voraussetzt. Fraglich ist auch, ob eine Vision des Auferstandenen, wie Paulus sie erlebt hat, in jedem Fall erforderlich sein muß. Eine Berufung muß erfolgen, wie diese aber geschieht, ist Sache des Berufenden, der in seiner Vorgehensweise absolut souverän ist und niemandem darüber Rechenschaft abzulegen hat. Grundsätzlich ist deshalb die Berufung und Aussendung von Aposteln jederzeit möglich.

Der Erweis der apostolischen Autorität eines Menschen kann sich für Prüfende niemals aus dem ableiten, was der mit apostolischem Anspruch Auftretende erfahren zu haben vorgibt. Als Beweis seiner Vollmacht führt denn auch Paulus nicht in erster Linie sein Damaskuserlebnis an, sondern vor allem die Ergebnisse seiner Tätigkeit. Darauf legten auch die übrigen Apostel bei ihrer Beurteilung von Paulus und Barnabas das Hauptgewicht, und darauf verweist auch Paulus die Korinther bei der Verteidigung seiner Apostelvollmacht. Wer beansprucht, ein Apostel Christi zu sein, hat nicht nur die Taten eines Bischofs oder eines begabten Lehrers auszurichten – er muß auch die obengenannten spezifischen Aufgaben eines Apostels, und zwar vor den Augen aller, sichtbar erfüllen. Das untrügliche Kennzeichen, an dem echte Propheten erkannt werden können, ist die "Frucht" ihrer Wirksamkeit: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen".

Während die Jerusalemer Urgemeinde beständig in der Lehre der Apostel blieb und auch Paulus sich des ungeteilten Glaubens und der Liebe der Thessalonicher rühmen konnte, fand schon bald ein Geist der Auflehnung gegen das Apostelamt in die frühe Gemeinde Eingang. So ließen sich zum Beispiel die Galater von selbsternannten Aposteln beeindrucken, was zu Streit und Uneinigkeit führte und das Werk des Paulus zu zerstören drohte. Bei den Korinthern hingegen waren nicht nur Spaltungen, Parteiwesen und grobe Fehltritte unter Gemeindegliedern an der Tagesordnung, es wurde gar die apostolische Kompetenz des Paulus offen bestritten. Am Ende seines Lebens sah Paulus sich von vielen verlassen, die zunächst treu zu ihm gehalten hatten.

Doch nicht allein Paulus, auch Johannes stieß in den seiner Leitung unterstellten Gemeinden auf Widerstand und Ablehnung. Der Vorsteher Diotrephes will seine Autorität nicht mehr anerkennen, und auch die sieben Sendschreiben, an die Gemeinden gerichtet, in denen Johannes nach dem Tod des Paulus wirkte, lassen schwere geistliche Schäden erkennen, die zumindest teilweise auf die Nichtachtung der Autorität des letzten noch lebenden Apostels zurückzuführen sein dürften.

Die ernsten Ermahnungen, die die damalige Christenheit auf das mahnende Vorbild Israels hinwiesen, waren offenbar umsonst. Wie einst das Volk des Alten Bundes wegen seiner Kritik an Mose nicht ins verheißene Land ziehen konnte, obwohl es unmittelbar vor dessen Grenze stand, so vermochte anscheinend auch das Volk des Neuen Bundes nicht ins "himmlische Kanaan" zu ziehen, weil es seinem "Mose", d.h. den Aposteln, mit Widerstand und Kritik, wenn nicht sogar mit entschiedener Ablehnung entgegentrat. Mit anderen Worten: Die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi erfüllte sich in der Zeit der Urchristenheit allem Anschein nach deshalb nicht, weil das auflehnerische "Murren" gegen die von Christus verordneten Leiter der Kirche, nämlich gegen die Apostel, den geistlichen Reifeprozeß bei der Mehrzahl der Gläubigen behinderte oder gar stagnieren ließ.

Dieser Umstand bietet auch eine Erklärung für die scheinbar widersprüchlichen paulinischen Aussagen über den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. Hatte er zunächst noch auf seine Teilnahme an der "Entrückung" gehofft, sprach er später nur noch von seinem nahe bevorstehenden Tod. Allein Christus, der souveräne Herr der Kirche, kann Apostel berufen und aussenden. Er kann auch, wenn er es für nötig hält, seiner Kirche dieses Amt entziehen, selbst wenn dasselbe zu ihrer Vollendung unabdingbar notwendig wäre. Es scheint, daß Apostel deshalb in der Kirche nicht mehr wirksam sein konnten – und offenbar auch nicht mehr sollten – , weil sie mit allem Nachdruck verachtet und zurückgestoßen worden waren.

Zweifellos ist die Kirche nach dem Entzug des apostolischen Amtes nicht von ihrem himmlischen Herrn getrennt worden. Durch alle Zeiten hindurch, auch in den Zeiten tiefsten Verfalls, war und ist Christus in ihr gegenwärtig. Die Verkündigung seines Wortes und die Sakramente haben immer und überall ihre Segenskraft, genauer gesagt die Segenskraft Christi, erwiesen. Was zum Seelenheil und zur geistlichen Reife des einzelnen notwendig ist, findet sich bis auf den heutigen Tag in den Kirchen aller Konfessionen, auch ohne das apostolische Amt. Die Gewißheit dieser Tatsache darf jedoch nicht von folgenden Fragen ablenken: Kann die Kirche ohne die Wirksamkeit lebender Apostel vollendet werden? War dieses Amt wirklich nur gegeben, um während eines bestimmten Abschnittes in der frühen Zeit der Kirche tätig zu sein? In Epheser Kapitel 4 formuliert Paulus explizit, daß neben Propheten, Evangelisten und Hirten und Lehrern auch Apostel von Christus eingesetzt wurden, "damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi,bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen und zu einem vollkommenen Mann werden, zum Maß des Alters der Fülle Christi kommen."

Dem unscheinbaren Wort "bis" in Vers 13 kommt in dieser Satzkonstruktion besondere Bedeutung zu, denn es markiert die Zeitdauer, während der die vier genannten Ämter in Kraft sein sollen und macht die Schlußfolgerung unumgänglich: Nicht irgendwelche menschlichen Mittel oder Methoden können den Bau der Kirche in gottgewollter Weise vorantreiben, sondern zur Vollendung der Kirche ist die Wirksamkeit lebender Apostel – und zwar bis zur Herbeiführung eines "anvisierten" Vollkommenheitszustandes – absolut notwendig. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage: War etwa die Kirche, als ihr die Apostel genommen wurden, in einem solchen Zustand der Vollkommenheit, so daß die Amtswirksamkeit der Apostel nicht mehr nötig gewesen wäre? Die Antwort kann – wie aus obiger Darlegung hervorgeht – nur ein eindeutiges "nein" sein; denn statt Einheit und "Vollkommenheit" des Glaubens fanden sich im Gegenteil Verwirrung, Spaltung, Irrlehre und nicht zuletzt unverhohlene Mißachtung der apostolischen Autorität. So kann es denn auch nicht verwundern, daß der Verfasser des Hebräerbriefes die geistliche Reife der angesprochenen Gemeinde nicht rühmen kann. Vielmehr beklagt er den "Kindeszustand" seiner Adressaten: Obwohl sie die christliche Wahrheit schon lange kennen und deshalb in der Lage sein müßten, andere zu belehren, können sie doch nur "Milch" anstatt "fester Speise" aufnehmen.

Weitere Klagen und Mahnungen ließen sich hinzufügen, bis hin zu der Warnung, daß die Kirche selbst gefährliche Irrlehrer hervorbringen werde; ja zuletzt werde gar ein großer Abfall in ihr eintreten, und "der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn des Verderbens", der sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst als Gott ausgibt, werde erscheinen.

Wahrhaft erschreckende Aussichten, die im Hinblick auf die Frage nach Fortdauer und Notwendigkeit des apostolischen Amtes den Schluß nahelegen: Es war schwerlich der ursprüngliche und eigentliche Wille Christi, seiner Kirche die Apostel zu entziehen, sondern es war ein schmerzlicher Eingriff, seine wohlüberlegte Reaktion auf den frühchristlichen Widerstand gegen die Autorität der unmittelbar von ihm gesandten Boten. Somit war die mühevolle "Wüstenwanderung" der Kirche schon vom ersten Jahrhundert n. Chr. an vorgezeichnet, und von vornherein war abzusehen: Kein Ersatzmittel würde den Verlust des apostolischen Amtes in hinreichender Weise ersetzen können. Zwar ist die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch auf wunderbare Weise erhalten geblieben; jedoch der in ihm vorausgesagte Abfall ist schon erschreckend weit fortgeschritten, so daß zu befürchten ist: "Noch viele werden in der Wüste sterben". Tröstlich ist es deshalb, zu wissen, daß Gott gegen Ende der Wüstenwanderung des alttestamentlichen Bundesvolkes einen Mann berief, der in der Lage war, den noch unerfüllten Auftrag des Mose auszuführen und das Volk in das verheißene Land zu bringen. Deshalb hat die Hoffnung, daß auch das Volk des Neuen Bundes seinen "Josua" bekommt, einen festen Grund: Gesandte Jesu Christi, mit der Geisteskraft und der Vollmacht der ersten Apostel versehen, so wie Josua mit der Herrlichkeit des Mose ausgestattet war.

Auszug aus „Die Wende aller Zeiten“  von Volker Meldau

 

 

7. APOSTEL -  biblische Aussagen interpretiert von Richard Schutty

Apg. 9,15

Apostel sind Werkzeuge in der Hand Gottes

Apg. 13,2-3

Apostel werden zu einem bestimmten Werk (Arbeit) im R. G. ausgesondert

Apg.13,4

Apostel werden vom Heiligen Geist ausgesandt (= apostello) s. hinausgehen

Apg. 15,22

Apostel arbeiten mit den Ältesten der Gemeinde u. der Gemeinde zusammen

Apg. 16,9

Apostel sind prophetische Leute

Apg. 16,10

Apostel sind Pioniere

Apg. 19,1-20,17

Apostel sind Allrounder, keine Spezialisten

Römer 1,1

Apostel sind Knechte (doulos = Sklave) Jesus Christi (s. h. keine Rechte)

Apostel sind Berufene Jesu

Apostel sind Ausgesonderte (aphorizo = trennen, festsetzen) f.d. Evangelium

1.Kor.1,1

Apostel sind Gesandte, Boschafter, Missionare (= apostolos)

1.Kor.3,6

Apostel sind Pflanzer, bzw. Gärtner

1.Kor.3,9

Apostel sind Gottes Mitarbeiter

1.Kor. 3,10

Apostel sind Baumeister (= architekton) der Gemeinde (wie Noah u. Mose)

1.Kor. 4,1-27

Apostel sind Verwalter (oikonomos = Haushalter) Gottes

Sie sind Diener (hyperetes = Untergebene, Bedienstete, Angestellte) Christi

Apostel sind die Allerletzten (die Niedrigsten)

Sie sind Narren um Christi Willen

Sie sind schwach (körperlich kraftlos)

Sie haben keine bestimmte Wohnung

Sie mühen sich ab und arbeiten viel

Sie werden geschmäht und leiden viel

1.Kor.5,1-6

Apostel sind Richter

2.Kor.12,12

Apostel sind Wundertäter

Eph.2,20

Apostel legen (zusammen mit den Propheten)das Fundament der Gemeinde

Eph.3,3-9 (7x)

Apostel verwalten die Geheimnisse (= mysterion) Gottes (h. Offenbarungen)

Eph.4,11

Apostel sind Trainer, Ausrüster und Mentoren

Phil. 3,17

Apostel sind Vorbilder, die nachgeahmt werden sollen

Kol. 1,25.26

Apostel sind Diener (zu Tisch Dienende = diakonos)

1.Thes. 2,9

Sie verkünden das Evangelium

1.Thes. 7-11

Apostel sind Mütter und Väter

1.Tim.1,1

Apostel stehen unter dem Befehl Gottes

1.Tim.2,7

Apostel sind Herolde = Verkündiger und Prediger

1.Tim.2,7

Apostel sind Lehrer der Nationen