Leitung der Hausgemeinde
Älteste und der Eph. 4.11 - Dienst

 

(von Richard Schutty)

 

Vorbemerkung:

 

Die Gemeinden, die im Neuen Testament beschrieben werden, sind werdende Gemeinden, in denen sich viele Ordnungen und Arbeitsformen erst nach und nach entwickelten. Dazu gehörte auch die Bildung einer Leitung für die Gemeinde. Unter der Führung des Heiligen Geistes entstanden Grundsätze, die von den Aposteln als Ordnung für die Gemeinde bestätigt und aufgrund ihrer von Gott gegebenen Autorität verordnet wurden. Der Dienst der Ältesten und Diakone gehört mit zu diesen Grundordnungen.

 

Insgesamt waren die Gemeinden einem geschichtlichen Wandel unterworfen. So sehen wir an der Gemeinde in Jerusalem während einer Generation, wie die Leitungsformen aus historischen Grundlagen entstanden und später wechselten. Nach Pfingsten wurde die Gemeinde ausschließlich von den Aposteln geleitet. Einige Jahre später wurden Diakone als zusätzliche Leiter in der Gemeinde eingesetzt, um die Apostel zu ent- lasten. Später werden Älteste erwähnt, die mit den Aposteln zusammenarbeiteten. Entweder wurden die ersten christlichen Ältesten zusätzlich eingesetzt, oder sie ent- wickelten sich aus dem Kreis der Diakone. Letzteres scheint mir wahrscheinlicher, deswegen gehe ich im Folgenden nicht weiter auf den Dienst der Diakone ein. In einem dritten Entwicklungsschritt erwuchs im Laufe der Jahre aus dem Kreis der Ältesten in Jerusalem Jakobus als alleinige Leitfigur.

Über Antiochien wissen wir, dass zum Zeitpunkt der Aussendung von Barnabas und Paulus die Gemeinde von Propheten und Lehrern geleitet wurde. Da dies die Bezeichnungen für Dienstbegabungen sind (siehe Unterscheidung zwischen Dienste und Leitungsfunktion in der Ortsgemeinde auf  S.14), ist anzunehmen, dass sich dieser Gemeindeleitungskreis in einem Übergangsstadium und ebenso in der Funktion einer Ältestenschaft befand.

 

 

1. Notwendigkeit und biblische Begründung der Leitung in der Gemeinde

 

Nach dem neutestamentlichen Grundsatz des ”Allgemeinen Priestertums” sind alle Gläubigen mit bestimmten Gaben ausgestattet, die sie im Rahmen der Gemeinde und darüber hinaus betätigen sollen (1.Kor. 12). Wenn es Hinweise auf eine besondere Gabe (charismata) der Leitung für die Gemeinde gibt, dann zunächst in Römer 12,8, wo Paulus von „Vorstehen“ als Gabe spricht. Das griechische Wort heißt hier „proistemi  und bedeutet „den Vorsitz haben,  administrativ leiten und organisieren“.

 

In 1.Kor 12,28c nennt Paulus zwei Geistesgaben (charismata pneumatikos), die Gott zur Leitung der Gemeinde gegeben hat. Die eine nennt er „Hilfeleistung(antilempsis = Handreichung, Unterstützung). Hier lässt sich eine deutliche Parallele zur Aufgabe der Diakone erkennen: Bei ihrer Wahl wurde darauf geachtet, dass sie voll des Heiligen Geistes sind, obwohl der Dienst, den sie tun sollten zunächst mit der praktischen Handreichung (Versorgung der Witwen) zu tun hatte und als diakonos (= zu Tisch dienen, praktische Handreichung) bezeichnet wurde. Vermutlich führten die Diakone jedoch die Aufsicht über die gerechte Verteilung und Unterstützung der Hilfsbedürftigen in der Gemeinde. Somit war das auch ein Dienst der mit besonderer Verantwortung und Leitung zu tun hatte.

 

Die andere Gabe des Heiligen Geistes wurde „Leitung“ (kybernesis = Steuern, Lenken des Ruders) genannt. Dabei ging es mehr um das Treffen von Entscheidungen und das Lenken der ganzen Gemeinde und Einzelner in eine bestimmte Richtung.

Beide Gaben wirkten für die Arbeit in der lokalen Gemeinde zusammen und gehörten zur Gemeindeleitung. Während den Aposteln, Propheten und Lehrern die Autorität für die übergeordnete Gemeinde zugesprochen wurde (1.Kor.12,28a).

 

Zwar geht die eigentliche und letzte Leitung der Gemeinde von Jesus Christus selbst aus, er ist Hirte und Aufseher unserer Seelen (1.Pt 2,25), doch bezeugt das Neue Testament deutlich, dass Jesus Christus als Oberhirte auch menschliche Hirten, die er durch seinen Geist begabt hat und die sich von ihm leiten lassen, in die Aufgabe der Leitung und Führung seiner Gemeinde einsetzt (1. Pt 5,1-4). Er beruft dazu verantwortliche Glieder der örtlichen Gemeinde, die als Hirten im Sinne Jesu die Gemeinde führen.

 

 

2. Grundsätzliche Gedanken über die Leitung einer Gemeinde

Mögliche Modelle für die Leitung einer Gemeinde aus der Kirchengeschichte

 

Im Verlauf der Kirchengeschichte haben sich im Wesentlichen drei Modelle von Gemeindeführung gezeigt, die sich auch heute noch finden. Ich nenne sie einmal mit ihren Fachbezeichnungen:

 

Da ist zum einen das EPISKOPALE MODELL, d.h. das bischöfliche Modell.

 

In den meisten Großkirchen wird es als biblisch angesehen, dass ein Bischof (episkopos = Aufseher) mit einem hierarchischen Apparat eine aus vielen Einzelgemeinden bestehende Kirche leitet. Das Modell setzt sich natürlicher Weise von Oben nach Unten fort. Gleicherweise gibt es dann auch innerhalb der einzelnen Kirchengemeinden eine Hierarchie, an dessen Spitze eine Person steht, die die Hauptleitung ausübt. Man nennt dies das „monarchische Episkopat“. Auch in manchen Freikirchen (oft charismati- schen) hat sich im Laufe der Zeit eine solches Modell entwickelt. In den frühen Gemeinden der Apostelgeschichte bahnte sich eine solche Entwicklung nur in der Jerusalemer Gemeinde mit Jakobus als starken Gemeindeleiter an. Die Entwicklung wurde jedoch durch seinen Märtyrertod im Jahre 62 n.Chr. unterbrochen. In der ersten heidenchristlichen Gemeinde hatte sich eine funktionierende Gemeindeleitung aus einem Team von Propheten und Lehrern entwickelt, die in der Form eines Ältestenteams, ohne eine Ein-Mann-Leitung gut arbeitete. Es sieht so aus, dass Paulus, der selbst Teil dieser Gemeindeleitung war, das als Modell in seine Gemeindeaufbauarbeit übernahm.

 

 

Zum anderen gibt es das KONGREGATIONALISTISCHE MODELL.

 

Es ist ein  demokratisches Modell, das davon ausgeht, dass in allen Fragen, die das Leben, die Lehre und den Weg der Gemeinde betreffen, die „congregatio“, d.h. die (versammelte) Gemeinde, durch Mehrheitsbeschluss zu entscheiden habe. Älteste und Diakone oder anders benannte Leiter der Gemeinde sind Vollzugsorgane für die Beschlüsse der Gemeindeversammlung. Oberster Souverän ist die Gemeinde selbst, die mehrheitliche Beschlüsse herbeiführt und sich im Grunde selber führt – natürlich (im besten Fall) im Hören auf das, was Gott will.

 

Als Begründung wird auf das „Allgemeine Priestertum“ und die „Geistbegabung“ aller Gemeindemitglieder hingewiesen. Ist damit gemeint, dass jeder in der Gemeinde auch Führungsaufgaben hat? Oder besagt die Geistbegabung aller Gotteskinder, dass nun „alle gleich“ sind und Gemeindeführung nur noch kollektiv durch die Summe der Geistbegabten erfolgen kann? Was ist dann mit den besonderen Gaben der Leitung aus Römer 12  und  aus 1.Kor.12. Dort heißt es dass „nicht alle Glieder dieselbe Tätigkeit haben“ haben. Die Charismenlehre widerspricht einem Modell kollektiver Gemeindeleitung durch die Mitgliederversammlung. Und wenn in der urchristlichen Gemeinde durch einzelne Gemeindemitglieder „Prophetien“ geäußert wurden – die im Einzelfall ja durchaus göttliche Führungen beinhalten konnten –, war es doch die Aufgabe derer, die die Lehr- und Leitungsverantwortung hatten, zu prüfen und zu entscheiden, ob diese Äußerung wirklich von Gott her kam und daher befolgt werden sollte oder ob man sie auf Grund der Prüfung ablehnen musste. Die mögliche Geistesleitung der Vielen hob die Führung durch Einzelne nicht auf.

 

 

Und das PRESBYTERIALE MODELL

 

Dieses Modell meint, dass die Leitung der Gemeinde durch ein Kollegium geistlich qualifizierter „Presbyter“, d. h. „ Ältester“, erfolgen soll. Ich glaube, dass dies das Modell ist, das am meisten den biblischen Aussagen entspricht. Wenn im NT von  „Ältesten“ gesprochen wird, kommen sie immer nur in der Mehrzahl vor. Eine Ein–Mann–Leitung der Gemeinde lässt sich aus dem Neuen Testament nicht ableiten.

Dem Ältestenkollegium wird in der neutestamentlichen Offenbarung eine Reihe von Verantwortungen übertragen. Nach Apostelgeschichte 20, 28 ff sollen sie auf die Gemeinde achten, sie vor Irrlehren schützen und sich der Schwachen annehmen. Nach 1Thess 5,12 stehen sie der Gemeinde vor im Herrn und treiben Seelsorge. Nach Titus 1,19 überführen sie die Widersprechenden mit gesunder Lehre (usw.). Und umgekehrt gilt ihnen Anerkennung (1Thess 5, 12), ein besonderer Schutz gegenüber voreiligen Anschuldigungen und Vorwürfen (1Tim 5,17ff), und nach Hebr 13,17 – Gehorsam und Unterordnung. In 1.Tim. 3 oder Titus 1 finden wir Listen von geistlichen, persönlichen und lehrmäßigen Eignungskriterien für die verantwortungsvolle Ältestenaufgabe.

Aufgrund der Bibelstellen müssen wir anerkennen, dass in manchen Gliedern Jesus als Leitung (Haupt) für die Gemeinde wirkt, das sind die Ältesten. Die Ältestenaufgabe wird nach dem neuen Testament von klar benannten und erkannten Einzelpersonen wahrgenommen (Apg 14,23; Tit 1,5), die eine verbindliche und persönliche Verantwortung innerhalb der Gemeinde haben und als Ältestenschaft der Gemeinde bekannt sind und deshalb von den Gemeindegliedern als solche angesprochen werden können (Jak 5,14).Die Gemeinde leitet sich nicht selbst; auch nicht ein breit zusammengesetzter Gemeinderat ist „die Gemeindeleitung“, sondern der Ältestenkreis leitet die Gemeinde. Aber die Gemeinde darf auch nicht zu einer „Presbyterokratie“ werden – sie muss unbedingt weiter vom Geist geleitet bleiben. Und auch die Ältesten üben ihre Gabe nicht gegen den Leib Christi aus, sondern dienen im Leib Christi in Ergänzung zu den Gaben und Aufträgen anderer. Insofern gehören „Leitungsverantwortung der Ältesten“ und „Allgemeines Priestertum“ komplementär zusammen. Letztere Seite darf nicht untergehen, sonst wird die Sache ebenso falsch und entwickelt sich zur Alleinherrschaft der Ältesten und ist ebenso gefährlich wie der entgleiste Kongregationalismus, der in die Gemeindedemokratie abrutscht.

 

 

3. Biblische Grundlagen für Gemeindeleitung durch Ältesten

 

Die Frage nach der richtigen Gemeindeleitung ist eine theologisch bedeutsame Fragestellung mit großen Auswirkungen auf das Leben einer Gemeinde. Die Organisationsstruktur der Gemeinde, angefangen bei der Leitungsebene, bestimmt die Art des Denkens und Handelns der Menschen in der Gemeinde mehr als wir meinen. Sie regelt die allgemeine Werthaltung und die Normen für das Zusammenleben. Sie bestimmt letztlich sogar, wer bleiben darf und wer gehen muss. Wir wissen, dass schon kurze Zeit nach dem Tod der Apostel die christlichen Gemeinden begannen, sich sowohl römische als auch jüdische Konzepte von Stellung, Macht und Priesterschaft für die Leitung anzueignen. Als Folge davon wurde die Gemeindeleitung zu einem Beruf, den nur ”Geistliche” ausüben durften. Durch die Amtskirche entstand eine kompliziert strukturierte Institution, mit dem Aufbau einer strengen Hierarchie, die die schlichte, familiäre Struktur der apostolischen Gemeinden verdrängte. Um wieder an die apostolischen Wurzeln zu kommen, müssen wir uns fragen, ob es eine schriftgemäße Grundlage für das Postulat einer bestimmten Form der Gemeindeleitung gibt. Christen, die sich zur Bibel als Gottes unfehlbarem Wort bekennen, sind sich jedenfalls darin einig, dass sie die Praxis und Lehren ihrer Gemeinde nach der Bibel ausrichten müssen.

 

 Wir wissen, dass das Neue Testament über die Existenz von Ältesten als Leiter von Gemeinden berichtet. Tatsächlich bietet das Neue Testament mehr Anweisungen in bezug auf Älteste als in bezug auf irgendein anderes wichtiges Gemeindethema wie Herrenmahl, Taufe, Geistesgaben oder den Tag des Herrn. Wenn wir die Anweisungen über die anderen Gemeindethemen genau beachten, warum sollten wir dann die Anweisungen über die Ältesten nicht beachten?  In zehn verschiedenen Begebenheiten werden im Neuen Testament Älteste als verantwortliche Leiter der Gemeinde ausdrücklich benannt.

 

Folgende klare Hinweise auf die Existenz Ältester in den Gemeinden finden wir im Neuen Testament:

 

  1. Die Gemeinde von Jerusalem wurde von Ältesten geleitet (Apg 15).

  2. In Judäa u. den umliegenden Gebieten gab es Älteste in den Gemeinden (Apg 11,30; Jak 5,14f).

  3. Unter den von Paulus gegründeten Gemeinden wurden folgende durch Ältestenschaft geleitet: Derbe, Lystra, Ikonion und Antiochia (Apg 14,23), Ephesus (Apg 20,17; 1Tim 3,1-7; 5,17- 25), Philippi (Phil 1,1) und Kreta (Titus 1,5). Nachzulesen in den angegebenen Stellen.

  4. Der erste Petrusbrief, adressiert an die Gemeinden im Nordwesten Kleinasiens, Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, erwähnt Älteste (1Petr 1,1; 5,1).

  5. Es gibt berechtigte Annahmen, dass es auch in den Gemeinden von Thessalonich (1Thes 5,12) und Rom (Hebr 13,17) Älteste gab.

Es gibt ausdrückliche Anweisungen an die Gemeinde bezüglich Ältester als Leiter in der Gemeinde:

 

  1. Jakobus weist die Kranken an, die Ältesten der Gemeinde zum Gebet zu rufen (Jak 5,14).

  2. Paulus fordert die Gemeinde von Ephesus auf, die ”in Wort und Lehre” arbeitenden Ältesten finanziell zu unterstützen (1Tim 5,17-18).

  3. Er will den Schutz der Ältesten vor falscher Anklage und rechtes Verhalten bei in Sünde gefallenen und wiederhergestellten Ältesten (1Tim 5,19-22).

  4. Paulus zählt der Gemeinde die notwendigen Qualifikationen für Älteste auf (1Tim 3,1-7; Tit 1,5-9)

  5. Der Gemeinde von Ephesus schreibt Paulus, dass jeder, der gerne Ältester sein möchte, nach einem ”schönen Werk” trachtet (1Tim 3,1).

  6. Angehende Älteste soll die Gemeinde auf ihre Eignung prüfen (1Tim 3,10; 5,24-25).

  7. Petrus weist die jungen Männer der Gemeinde an, den Ältesten zu gehorchen (1Petr 5,5).

  8. Der Schreiber des Hebräerbriefes fordert die Leser auf, den Leitern (Älteste) zu gehorchen und sich ihnen zu fügen (Hebr 13,17).

  9. Paulus belehrt die Gemeinde, ihre „Aufseher“ als Leiter der Familie des Glaubens anzuerkennen. Sie sollen die Gemeindeglieder zurechtweisen, ermahnen und lehren (Tit 1,7; 1Thes 5,12; Tit1,9).

  10. Paulus weist die Gemeinde an, die Ältesten anzuerkennen, sie zu lieben und mit ihnen in Frieden zu leben (1Thes 5,12-13).

 Wir finden auch direkt an Älteste gerichtete Anweisungen und Ermahnungen:

 

  1. Petrus fordert die Ältesten unmittelbar auf, die örtliche Gemeinde zu hüten und die Aufsicht zu führen (1Petr.5,1-2)

  2. Petrus warnt die Ältesten davor, zu autoritär zu sein (1.Petr.5,3).

  3. Petrus verheißt den Ältesten für die Wiederkunft des Herrn Jesus den ”unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit” (1Petr 5,4).

  4. Petrus ermahnt die Ältesten, sich in Demut zu kleiden (1Petr 5,5).

  5. Petrus erinnert die Ältesten von Ephesus, dass der Heilige Geist sie als Aufseher in die Gemeinde eingesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten (Apg 20,28)

  6. Paulus ermahnt die Ältesten, die Gemeinde vor Irrlehrern zu schützen (Apg 20,28) und vor der ständigen Bedrohung falscher Lehren auf der Hut zu sein (Apg 20,31).

  7. Paulus erinnert die Ältesten, hart zu arbeiten, den Bedürftigen zu helfen und großzügig wie der Herr Jesus zu sein (Apg 20,35).

  8. Paulus ermahnt die Ältesten, mit der Versammlung in Frieden zu leben (1Thes 5,13).

 

 4. Klärung des Begriff  „Älteste“

 

 Aus dem alten Testament - die Ältesten des Volkes Israel

 

  1. Älteste waren Zeugen für das Handeln Gottes – sie sollten von Gottes Herrschaft berichten. „Der HERR sprach zu ihm: Gehe hin vor dem Volk und nimm etliche Älteste von Israel mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Strom schlugst, und gehe hin.“ (2.Mose 17,5)

2. Älteste sollten die Autorität Gottes repräsentieren. Leitung sollte nicht durch einen König geschehen, sondern durch Älteste. Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und nimm sie vor die Hütte des Stifts und stelle sie daselbst vor dich. (4.Mose 11,16)

 

3. Die Ältesten saßen im Tor und richteten ....

 

„Welche Stadt die nächste ist, deren Älteste sollen eine junge Kuh von den Rindern nehmen, mit der man nicht gearbeitet und die noch nicht am Joch gezogen hat, (5.Mose 21,3)

 

4. Älteste waren Leiter und Autoritätspersonen

 

„ Der Herr wird von Juda wegnehmen ... Starke und Kriegsleute, Richter, Propheten, Wahrsager und Älteste, Hauptleute über fünfzig und vornehme Leute, Räte und weise Werkleute und kluge Redner ... Mutwillige sollen über sie herrschen. (Jesaja 3,1-4)

Ganz allgemein gibt es schon seit Jahrtausende verschiedenste Volksstämme, die von einem Ältestenrat geleitet wurden. Es hatte sich in „einfachen“ Kulturen (Stämmen) offensichtlich bewährt.

Vom Wortstamm - Hebräisch: saqen = alter Mensch, der erwachsene, der rechtsfähige, Vollbart tragende ältere Leiter einer Gemeinschaft im Volk Israel (Sippenältester, Stammesältester)

 

 

Zu unterschieden - Älteste im Neuen Testament:

 

Es gibt berechtigte und aufschlussreiche Parallelen zwischen alt- und neutestamentlichen Ältesten, wie etwa die Würdenbezeichnung und die Stellung als eine Art Familien- oder Sippenoberhaupt. Trotzdem ist der neutestamentliche Älteste nicht mit dem alttestamentlichen Ältesten zu vergleichen - er lebt in einem neuen Zeitalter. Genauso, wie der alttestamentliche Prophet nicht gleich dem neutestamentlichen Propheten ist. Der Versuch, den neutestamentlichen (paulinischen) Ältesten durch den alttestamentlichen Ältesten oder den jüdischen Synagogenältesten (von dem wir sehr wenig wissen) zu definieren, bedeutet eine Verzerrung der neutestamentlichen Lehre über Ältestenschaft. Der Dienst und die Qualifikationen des christlichen Ältesten sind weiterentwickelt, klarer vorgezeichnet und tiefer als die des alttestamentlichen Ältesten. Neutestamentliche, christliche Älteste sind Diener und Hirten, die das Volk schützen, versorgen, leiten und lehren, wie wir in der folgenden Definition sehen werden.   

 

 

5. Leiter im Neuen Testament – Älteste als Zentralbegriff

 

Für die Bezeichnung der Gemeindeleitung verwendet das Neue Testament verschiedene, austauschbare  Begriffe, die jeweils besondere Aspekte der Aufgaben der Gemeindeleitung  beschreiben:

 

  1. Ältester ( presbyteros ) = (Presbyter) Älterer, Alter, der mehr Ansehen und Ehre besitzt, wird auch als Ehrentitel oder als Amtsbezeichnung benutzt, für das Mitglied eines Rates, oder für einen Botschafter, oder für das Sippenoberhaupt (70 Älteste in Israel). Erste Erwähnung der christlichen Ältesten in Apg.11.30

Die 12 Apostel waren wahrscheinlich der Vorläufer des christlichen Ältestenrates.

Apg.15.2.4.22; 16.4; 20.17.28-30; 21.18; 1.Tim.5.17; Jak.5.14; 1.Petr.5.1;2.Jo.1; 3.Jo.1 (s. auch  Mitälteste in 1.Petr. 5.1.)

Ältester wird in der Bibel immer in der Mehrzahl genannt. Offensichtlich gibt es keinen Ältesten der allein im Amt ist. Es geht immer um die Ältestenschaft bzw. den Ältestenrat der Stadt oder der Gemeinde

 

  1. Aufseher: episkopos = (Bischof) Beobachter, Aufseher, jemand der die Aufsicht hat, jemand der acht gibt. Die Leiter der Gemeinde wurden im NT in anbetracht ihrer beobachtenden Sorge für die Gemeinde so genannt (Apg.20.28; 1.Petr.5.2-3; Phil.1.1; 1.Tim.3.1.2.). Es waren verantwortungsvolle Persönlichkeiten, die die geistliche ”Aufsicht” über die Gemeinde hatten.

Auch Christus wird episkopos genannt (1.Petr.2.25)

 

Später wurde „Bischof“ zum Titel für denjenigen, der unter den Ältesten die Führung übernahm  und die erste Gemeindeleitung beanspruchte. Wahrscheinlich auch, um sich abzuheben, weil die Ältesten immer in der Mehrzahl genannt werden sollten.

 

  1. Hirte: poimen = Schafhirte, Schäfer, allein 7 Bibelstellen nehmen  Bezug auf Jesus als dem guten Hirten,  weitere 5 Stellen sind in anderem Zusammenhang. Das Verb poimaino = weiden hüten, kommt häufiger im NT vor. Es umfasst die ganze Aufgabe und Pflicht eines Schafhirten; Führen, Bewachen, Beschützen, Tragen der schwachen Lämmer, Fürsorge, Leiten zum Futter. Es ist immer auf den geistlichen Bereich ausgerichtet und meint die Tätigkeit der Ältesten und Aufseher (Mt.2.6; Joh.21.16; Apg.20.28; 1.Petr.5.2; Jud12; Offb.7.17).

Die große Herde wird poimne genannt (Mt.26,31; Luk.2,8; Joh.10,16; 1.Kor.9.7) und kommt nicht im Zusammenhang mit den Ältesten und Hirten vor.

Die kleine Herde (Herdlein) wird poimnion genannt und zwar da, wo es um den Dienst der Apostel und der Ältesten und Hirten geht ( Luk.12,32; Apg.20,28.29 1.Petr.5,2.3). Das weist darauf hin, dass sich die Ältesten die Aufsicht über mehrere kleine Gruppen geteilt haben

 

  1. Vorsteher:    proistotes = Vorsteher, Oberster, Leiter, Regierer, steht so nicht in der Bibel, aber:  proistemi = vorstehen, betreiben, sich befleißigen, arbeiten für, die Leitung inne haben (siehe auch die Bezeichnung für die Motivationsgabe Administrieren in Römer 12,8.) Des weiteren meint es auch dem eigenen Haus vorstehen (1.Tim.3,4.8.12) - in der Gemeinde arbeiten und vorstehen (1.Tim.5,17; 1.Thes.5,12)

  1. Führer: hegeomai = Anführer, Wortführer, Sprecher, Regent, Gemeindeleiter sein

(Mt.2,6; Lk.22,26; Apg.7,10.22; Hebr.13,7.17.24; ) wird verwendet in 1.Tim. 5,13; 2.Petr.1,13 u.a... = Sorge tragen, denken, meinen halten für, achten auf, für recht halten ... Biblische Führer sind weitsichtige Personen, die der Gemeinde vorausgehen, treue Menschen, die die Bedürfnisse der Gemeinde richtig einschätzen und sie umsichtig und selbstlos führen (Hebr.13,7.17.24)

 

  1. Verwalter: oikonomos = Haushalter, Hausherr, Schatzmeister, Kämmerer (Lk.12,42; 16,1.3.8; 1.Kor.4,1.2; Gal.4,2; Tit.1,7) - es bezeichnet auch die Apostel und Diener des Evangeliums, weil sie durch die Verkündigung das Heils in Christus das Geheimnis der Gnade Gottes (auch die Gnadengaben) verwalten und an die Menschen austeilen oder auch den einzelnen Glaubenden siehe auch oikos / oikonomia = Familie, Haus, Haushalt, Verwaltung 

  1. Vorbilder: typos = Bild, Muster, Prägung, Modell, Form, Typ (Apg.7,44;Hebr.8,5; Phil.3,17; 1.Thes.1.7; 2.Thes.3,9; 1.Tim.4,12; Tit.2,7; 1.Petr.5,3) Älteste müssen so leben, dass sie als Vorbilder in der Gemeinde gelten, damit sie ein Beispiel sind, dem die Gemeindeglieder nachahmen können – ein Beispiel für die Jüngerschaft.

Nun die Textbeispiele im Überblick, z.T. miteinander verknüpft

 

Wenn Paulus sich in seinen Briefen an die Leitung einer Gemeinde wandte, dann sprach er immer die Ältesten als Gruppe der Verantwortungsträger der Gemeinde an. Dabei verwendete er drei Begriffe synononym zueinander. Altester, Hirte, Aufseher:

 

1. In Apg.20.17.28 spricht er die Ältesten von Ephesus an und ermahnt sie: „Von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief sich die Ältesten  (presbyteros) der Gemeinde  herüber...“. (konkordantes NT) „...gebet acht auf euch selbst und auf das gesamte Herdlein ( poimnion), unter das euch der Geist, der heilige, zu Aufsehern (episkopos) gesetzt hat, zu Hirten (poimaino) die herausgerufene  Gemeinde Gottes ...“. (konkordantes NT)

------ Paulus benutzt hier Worte wie Älteste, Aufseher und Hirten und meint damit die selben Person  

2. In 1.Petrus 5,2 sagt der Apostel wörtlich (Urtext): „Den Ältesten unter euch nun spreche ich zu... hirtet das Herdlein Gottes unter euch, es beaufsichtigend (episkope), nicht genötigt, sondern freiwillig, Gott gemäß, ... (konkordantes NT) In Vers 3 b sagt er dann: „...sondern indem ihr Vorbilder werdet des Herdleins“.

------Petrus benutzt hier die Worte Älteste, Hirte, Aufseher, Vorbilder für die selben Personen.

 

3. In Titus 1.5.7 beauftragt Paulus den Titus, Älteste in Kreta einzusetzen: „Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte, .... Denn der Aufseher muss untadelig sein, als Gottes Verwalter (oikonomos)...“.

------Hier bezeichnet Paulus die gleichen Personen als Älteste, Aufseher und Verwalter.

 

4. In Hebr.13,7: „Gedenkt eurer Führer, .... Schaut den Ausgang ihres Wandels an und ahmt nach (mimeomai, mimetes) ihren Glauben! Vers 17: Vertrauet euren Führern und seid ihnen folgsam denn sie wachen für eure Seelen“.

------Die Führer sind Vorbilder und Aufseher über unsere Seelen

5. Weiter in 1.Tim.5,17 heißt es: „Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre gewürdigt werden ...“.

--------Alteste sind gleichzeitig Vorsteher

 

6. 1.Petrus 2.18- 25 spricht von Jesus selbst, der für alle Leiter ein Beispiel ist: „ ... Denn ihr gingt in die Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen“. und in1.Petrus 5, wird Jesus als Oberhirte bezeichnet.

 

Jesus gilt als das erstes Vorbild, als oberster Hirte und höchster Aufseher

 

Aus den biblisch. Texten wird deutlich, dass zur Person eines Gemeindeleiters mindestens sieben verschiedene Aspekte, bzw. Beschreibungen und Bezeichnungen gehören: Sie sind:

 

 Älteste   -   Aufseher   -   Hirten   -  Vorsteher   -   Führer    -  Verwalter   -  Vorbilder

 

Jeder dieser Begriffe betont dabei einen anderen Aspekt des selben Dienstes:

 

Ältester: die Qualifikation und die Würde des Amtes ist angesprochen:

     Er ist geistlich gereift.

     Er hat Erfahrung.

     Er besitzt Weisheit und Urteilsfähigkeit.

     Er ist zur Führung geeignet.

 

Aufseher: das Werk die Aufgabe des Amtes ist angesprochen

-      Er wacht über die ihm anvertrauten Menschen

     Er lehrt und ermahnt sie, sich richtig zu verhalten

     Er sorgt für ein gesundes geistliches Wachstum

     Er achtet auf die gesunde Lehre und warnt vor Verführung

 

Vorsteher: die Verantwortung  und Position ist angesprochen:

     Er steht der Gemeinde vor.

     Er trägt die Last und die Verantwortung.

     Seine Autorität wird anerkannt.

     Er müht sich um die Einheit der Gemeinde.

 

Hirte: der Charakter und das Wesen ist angesprochen

-      Er weidet und leitet die Herde wie ein guter Hirte

-      Er dient den ihm anvertrauten Menschen und sorgt sich um jeden einzelnen

-            Er kümmert sich um die Unversehrtheit der Schafe (schützt sie vor Feinden)

-      Er liebt sie, wie sein eigenes Leben

 

Verwalter: der Dienst und Tätigkeiten sind angesprochen

-      Er organisiert und verwaltet die Geschäfte und (Auf)Gaben der Gemeinde

-      Er informiert die Gemeinde über die wichtigen Belange

-             Er ist treu in allen anvertrauten Aufgaben

 

Führer: die Vollmacht und Autorität des Amtes ist angesprochen

-      Er kennt den Weg und zeigt den Weg und das Ziel auf

-      Er ist vertrauensvoll und gibt Sicherheit

-      Er geht voraus und stellt sich als erster dem Feind in den Weg

Vorbilder: das Geschehen, das Sein ist angesprochen

 

-      Durch sein Verhalten und seine Erscheinung ist er ein Vorbild für alle

-      Er hilft den Gemeindemitgliedern in der Heiligung zu wachsen

-      Sein Verhalten, sein Lebensstil kann sicher nachgeahmt werden

 

 

6. Das Ältestenmodell bzw. der Begriff „Ältester“ und die NT- Gemeinde

 

Die Gemeinde ist eine Familie – in ihrer Mitte die Ältesten

 

Von den verschiedenen zur Beschreibung des Wesens der Gemeinde verwendeten neutestamentlichen . Begriffen wie Leib, Braut, Tempel, Herde usw. ist der am häufigsten herangezogene die Familie. Die Vergleiche mit Familie und den Strukturen einer Familie sind derart zahlreich und treten so häufig auf, dass der Vergleich der christlichen Gemeinschaft mit einer ”Familie” als bedeutendste Metapher überhaupt betrachtet werden muss ...

 

Mehr als alle anderen von Paulus herangezogenen Bilder offenbart es den wesentlichen Kern seines Denkens über Gemeinschaft. Der Grund hinter dieser Betonung des familiären Aspektes der Gemeinde ist, dass allein die innigste der menschlichen Beziehungen die Liebe, Verbun- denheit, Privilegien und Beziehungen ausdrücken kann, die infolge der Fleischwerdung und des Todes Christi zwischen Gott und Mensch wie auch zwischen Mensch und Mensch bestehen.

 

Deshalb muss die christliche Ortsgemeinde eine eng geknüpfte Familie von Brüdern und Schwestern sein. Das Neue Testament trieft förmlich von der Realität dieser festen, familiären Gemeinschaft. Die Schreiber des Neuen Testamentes bezeichnen die Gläubigen weitgehend als Brüder. Petrus bezeichnet die welt-weite christliche Gemeinschaft als ”Bruderschaft” (1Petr 2,17; 5,9). Die Begriffe Brüder, Bruder oder Schwester kommen fast 250mal im Neuen Testament vor und sind vor allem in den paulinischen . Briefen reichlich zu finden. Das Neue Testament beschreibt den familiären Charakter der christlichen Bruderschaft in vielerlei praktischer Hinsicht:

 

  1. Die ersten Christen trafen sich in Häusern (Röm 16,5; 1Kor 16,19; Kol 4,15; Phim 2).

  2. Sie teilten ihren materiellen Besitz (Apg 2,44-45; 4,32; 11,29; Röm 12,13.20; 15,26; 1Kor 16,1; 2Kor 8; Gal 2,10; 6,10; Hebr 13,16; Jak 2,15-16; 1Joh 3,17).

  3. Sie aßen zusammen (Apg 2,46; 20,11; 1Kor 11,20f; Jud 12).

  4. Sie grüßten einander mit heiligem Kuss (Röm 16,16; 1Kor 16,20; 2Kor 13,12; 1Thes.   5,26; 1Petr 5,14).

  5. Sie erwiesen Gastfreundschaft (Apg 16,15;21,8.16; Röm 12,13; 1Tim 3,2; 5,10; Hebr 13,2; 1Petr 4,9; 3Jo 5-8).

  6. Sie kümmerten sich um die Witwen (Apg 6,1-6; 9,39; 1Tim 5,1-16).

  7. Wenn nötig, stellten sie ihre Mitglieder unter Zucht (1Kor 5-6; 2Kor 2,1-11; 2Thes 3,6-15; 1Tim 5,19-20).

  8. Brüderlichkeit war ein Schlüsselprinzip für die Beziehungen der Christen untereinander (Röm 14,15.21; 1Kor 6,8;8,11-13: 2Thes 3,14-15; Phim 16; Jak 4,11).

Die Leitung durch eine Gruppe von Ältesten passte zur Gemeinde als Familie. Auch Israel war ein großes Volk, zusammengesetzt aus vielen einzelnen Familien, Sippen und Stämmen – die Führung durch eine Gruppe von Ältesten war eine angemessene Form der Selbstverwaltung, die eine gerechte Vertretung seiner Mitglieder gewährleistete. Gleiches gilt für die christliche Gemeinde. Die Führung durch Älteste passt zu ihr, wenn sie sich, wie zu neutestamentlichen Zeiten als Großfamilien in den Häusern trifft und darüber hinaus als Netzwerk zusammenkommt. Dadurch wird jedem Bruder in der Gemeinschaft gestattet, sich an der Führung der Gemeinschaft zu beteiligen, sofern er motiviert und qualifiziert ist.

 

Die Gemeinde ist eine nichtklerikale Gemeinschaft

 

  Die Gemeinde ist nicht nur eine Familie von erlösten Geschwistern, sie ist auch eine nichtklerikale Gemeinschaft. Die Gemeinde des 1. Jahrhunderts war  eine reine Volksbewegung. Das Kennzeichen des Christseins bestand, im Gegensatz zum Judentum, nicht in einer klerikalen Hierarchie, sondern in der Tatsache, dass Gottes Geist herabkam, um in gewöhnlichen Menschen zu wohnen, und daß der Heilige Geist das Leben Jesu durch diese Menschen sowohl den Gläubigen als auch der Welt vor Augen führte. Im Neuen Testament gibt es keine priesterliche oder klerikale Klasse, die sich von der Gesamtheit des Volkes Gottes abhebt. Jeder Heilige, ist ein königlicher Priester, ein Geist begabtes Glied am Leib Christi. Paulus lehrt, dass es innerhalb des Leibes Christi eine breite Vielfalt von Gaben und Diensten gibt (1Kor 12, Römer 12, Epheser 4). Eine Unterteilung der Gemeinde in Geistliche und Laien ist im Neuen Testament nicht zu finden. Das entwickelte sich erst in der nachapostolischen Zeit und mündete in die Entstehung der katholischen Kirche. Später übernahmen auch zahlreiche andere Kirchen und Denominationen diese Form. Das Neue Testament unterstreicht die Einheit des Volkes Gottes (Eph 2,13-19) und die Auflösung der Trennung zwischen Priestern und Laien, die unter dem alten Bund bestand (1Petr 2,5-10; Offb 1,6). In einem Umfeld des Klerikalismus kann biblische Ältestenschaft nicht existieren. Paulus Einsetzen der

 

Führungsstruktur der Ältestenschaft für die örtliche Gemeinde ist ein eindeutiger, praktischer Beweis gegen den Klerikalismus, weil die Ältestenschaft von ihrem Wesen her nichtklerikal ist. In der Bibel werden Älteste stets als ”Älteste des Volkes” oder ”Älteste der Versammlung” gesehen, niemals als ”Älteste Gottes”. Die Ältesten vertreten das Volk als leitende Glieder aus der Mitte der Gläubigen.

 

Bei seinen Gemeindegründungen ordinierte Paulus niemals einen Priester oder Geistlichen zur Verrichtung des Dienstes in der Gemeinde oder als Vertreter Gottes in der Gemeinde. Wenn er eine Gemeinde gründete, ließ er ein Ältestenteam zurück, die er aus den Gläubigen erwählt hatte, damit sie gemeinsam die örtliche Gemeinschaft hüteten (Apg 14,23; Titus 1,5). Offensichtlich war das alles, was seinem Empfinden nach eine örtliche Gemeinde brauchte. Da die örtliche Versammlung aus Heiligen, Priestern und vom Heiligen Geist begabten Dienern bestand, und da Christus in jeder Gemeinde in der Person des Heiligen Geistes gegenwärtig war, wurde keine der traditionellen religiösen Requisiten wie heilige Stätten, heilige Gebäude oder heiliges Personal (Priester, ”Geistliche” oder ”Heilige”) benötigt, noch konnte derartiges toleriert werden.

 

Die Gemeinde ist eine Gemeinschaft von demütigen Dienern

 

  Ich bin überzeugt, daß einer der Gründe, weshalb die Apostel das Ältestensystem als Führungsprinzip wählten, darin bestand, dass es den liebevollen, demütig- dienenden Charakter der christlichen Familie verbessert. Das Neue Testament zeigt ein durchgängiges Beispiel gemeinsamer Leiterschaft als die Idealstruktur von Leiterschaft in einer Gemeinschaft, die von Liebe, Demut und Dienerschaft geprägt ist. Wenn sie richtig funktioniert, erfordert gemeinsame Leiterschaft ein größeres Maß an demütiger Dienerschaft als Leiterschaft durch eine Einzelperson. Soll eine Ältestenschaft effektiv funktionieren, müssen die Ältesten sich gegenseitig achten, sich einander unterordnen, geduldig aufeinander warten, aufrichtig die Interessen und Perspektiven der anderen beachten und sich einander fügen. Deshalb verbessert Ältestenschaft die Bruderliebe, Demut, Gegenseitigkeit, Geduld und liebevolle wechselseitige Abhängigkeit - Qualitäten, die eine dienende Gemeinde auszeichnen sollten.

 

Darüber hinaus ist gemeinsame Leiterschaft herausfordernder als Leiterschaft durch eine Einzelperson. Sie deckt unsere Ungeduld miteinander auf, unseren sturen Stolz, unsere Starrköpfigkeit, unsere selbstsüchtige Unreife, unsere herrschsüchtige Art, unsere fehlende Liebe und mangelndes Verständnis füreinander. Sie zeigt auch, wie unterentwickelt und unreif wir in Sachen Demut, Bruderliebe und wahrem Dienergeist sind. Wie die Heiligen in Korinth entwickeln wir schnell unser Wissen und unsere öffentlichen Gaben, aber wir wachsen langsam in der Liebe und Demut. Da die Ältestenschaft einen Mikrokosmos der gesamten Gemeinde darstellt, ist sie ein lebendiges Vorbild liebender Beziehungen und Dienerschaft für den ganzen Leib. Deshalb passt Leiterschaft durch eine Gruppe von Ältesten hervorragend zu einer demütig- dienenden Gemeinde.

 

Die Gemeinde wird von Christus selbst geleitet

 

Die ersten Gemeinden waren christuszentrierte und ganz von Christus abhängige Gemeinden. Christus allein gab ihnen alles Notwendige zur vollen Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Christi Person und Werk war so unendlich groß, endgültig und vollkommen, dass nichts - nicht einmal andeutungsweise - die Zentralität seiner Gegenwart und die Genugsamkeit für sein Volk beeinträchtigen konnte. Kein Christ  wagte im 1. Jahrhundert die Position oder den Titel eines alleinigen Leiters, Aufsehers oder Hirten der Gemeinde anzunehmen. Es gibt nur eine Herde und einen Hirten bzw. Pastor (Joh 10,16), einen Leib und ein Haupt (Kol 1,18), ein heiliges Priestertum aller und einen großen Hohenpriester (Hebr 4,14ff), einen Mittler, einen Herrn Jesus Christus. Er ist der ”Oberhirte”, und alle anderen sind Unterhirten (1Petr 5,4). Christus wirkt in den einzelnen Gliedern durch seine Gaben in der ganzen Gemeinde. Seine Fülle kommt in den einzelnen Gliedern durch Gaben und Dienste zum Ausdruck. In manchen Gliedern wirkt Jesus als Haupt für die Gemeinde das ist die Gemeindeleitung, das sind die Ältesten.

 

Gibt es eine apostolische Anordnung betreffs der Ältesten ?

 

In Titus 1,5 schreibt Paulus an Titus und die Gemeinden, dass eine Gemeinde erst dann richtig geordnet ist, wenn qualifizierte Älteste (Plural) eingesetzt worden sind. Deshalb fordert er Titus auf, Älteste einzusetzen: ”... damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte”. Sind die Annweisungen des Paulus hinsichtlich der Einsetzung und der Qualifikationen eines Ältesten auch heute für uns verbindlich ? Tatsache ist, dass alle Anweisungen nur dann einen Sinn ergeben, wenn sie sich auf eine Gruppe von Ältesten beziehen, denn sie sprechen nur in diesen Kontext hinein. In einer von Hierarchie und Machtmissbrauch gekennzeichneten Zeit ist die Leitung durch ein Ältestenteam das Idealbild demütiger Leiterschaft im Dienst und zum Wohle der Menschen. Somit ist dies auch heute noch ein Vorbild für uns und kann für alle Gemeinden maßgebend sein. Zwanzig Jahrhunderte Kirchengeschichte haben bewiesen, dass der ursprüngliche Plan von Ältestenschaft, wie unter anderen Paulus ihn verbreitet hatte, der einzige ist, der immer und überall passt. Angepasst an die verschiedensten Bedingungen ist er am flexibelsten und kann Verfolgungen am besten widerstehen und standhalten. Er bietet ein Maximum an Möglichkeiten für die volle Entwicklung des geistlichen Lebens und bewahrt uns vor einem religiösen System.

 

Kurz gesagt, wie Alfred Kuen schlussfolgert: ”Die von den Aposteln gegründeten Gemeinden bleiben das gültige Modell für Gemeinden, wann und wo auch immer.”

 

 

7. Wie kommt eine Gemeinde zu Ältesten ? Berufung, Einsetzung, Wahl oder ...

 

Berufung von göttlicher wie von menschlicher Seite ist notwendig zum Antritt eines Ältestendienstes. Die Berufung von göttlicher Seite geschieht wesentlich durch das Gnadengeschenk der Voraussetzungen und Gaben für diesen Dienst. Die Bestäti­gung dieser Berufung durch Gott erfolgt dann durch die Willenserklärung bzw. Berufung der Gemeinde. Dies muss unter viel Gebet geschehen.

 

In den Gemeinden des NT wurde die Berufung unterschiedlich gehandhabt:

 

1. Apg.10.41 – Älteste werden zunächst von Gott ausgewählt – Gott sieht ihr Herz

2. In Apg. 6,1‑7 wurden Diakone durch die Gemeindeversammlung gewählt, wahrscheinlich durch Stimmabgabe (ähnlich könnte es in 1Tim 4,14 und 2Tim 1,6 gemeint sein, an die erfolgte Berufung schloss sich die Einsetzung durch Handauflegung an).

3. In Apg. 14,23 werden Älteste auf Anregung der Apostel durch die Apostel einge­setzt (in Lystra, Ikonion, Antiochia). Die Apostel wählten hier die Ältesten aus und die Gemeinde bestätigte die Wahl (siehe auch Tit.1.5).

4. Apg. 13.1: Ein vorhandener Ältestenkreis/ Leiterkreis kann nach Gebet und reiflicher Prüfung berufen. Vermutlich war das in Antiochien so, wo Paulus und Barnabas dazukamen.

 

a. Wie auch immer die Berufung erfolgt, in jedem Fall sollte die Einmütigkeit der Gemeinde als Bestätigung vorhanden sein (2. Kor.8.19).

 

Unter Gebet erkennt und benennt die Gemeinde, diejenigen Brüder als Älteste, die sie als von Gott eingesetzte Leiter der Gemeinde sieht und zu denen sie das nötige Vertrauen hat. Die Gemeinde achtet dabei besonders auf die Brüder,  die in der Gemeinde arbeiten und sich für sie einsetzen: ”Erkennt (anerkennt) die unter euch arbeiten” (1.Thess 5,12). Weil die Ältestenerkennung ihrem eigentlichen Sinne nach keine Wahl zu einer demokratischen Gemeindevertretung ist, wird mit ihr weder eine festgesetzte Zahl von ”Amtsstellen” besetzt noch wird eine Person mit knappen Mehrheitsverhältnissen und ohne das Vertrauen des Großteils der Gemeinde in ein Ältestenamt eingesetzt. Vielmehr erwartet die Gemeinde von ihrem Herrn, dass ein Kreis von befähigten Brüdern als Ältestenschaft innerhalb der Gemeinde erkennbar wird.

 

b. Die Einsetzung in den Dienst

 

Nach der „Wahl“ bzw. Anerkennung kommt es zur Einsetzung in den Dienst: "Diese stellten sie vor die Apostel, und als sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf" (Apg 6,6). Von solcher 'Einsetzung in den Dienst' lesen wir auch in Tit 1,5, und andere Stellen bestätigen uns, daß solche Diensteinsetzung nach dem Neuen Testament mit Handauflegung verbunden ist (Apg 13,3; 1Tim 4,14). In der Handauflegung stellt sich die Gemeinde voll hinter ihre Dienstträger, sie segnet, sendet und bittet für sie.

 

c. Die Anzahl der Ältesten

 

Nach neutestamentlichem Vorbild wird die Gemeinde in der Regel von einer Mehrzahl von Ältesten geleitet. Eine genaue Anzahl von Ältesten für eine Gemeinde wird in der Heiligen Schrift nicht festgelegt. Sie ist zum einen davon abhängig, wie viele Personen die biblischen Qualifikationen für die Aufgabe erfüllen und die nötigen Gaben zur Ältestenschaft mitbringen, und sie ist zum anderen davon abhängig, welche Brüder die Gemeinde unter intensivem Gebet als von Gott beauftragte Älteste erkennt. Die Zahl der Ältesten kann deshalb in verschiedenen Gemeinden sehr unterschiedlich sein. Die Gemeinde sollte aber um eine für ihre Größe und Bedürfnisse ausreichend große Ältestenschaft beten.

 

d. Die Dauer des Ältestendienstes

 

Über die Dauer des Ältestendienstes macht das Neue Testament keine näheren Angaben. Der Dienst kann sich dann über viele Jahre hin erstrecken, wenn die biblischen Voraussetzungen seiner Qualifikation weiterhin erfüllt sind, die geistigen und körperlichen Kräfte zur Erfüllung der Aufgabe ausreichen und das Vertrauen der Gemeinde weiterhin besteht.

 

e. Die Häufigkeit der Ältestenerkennung

 

Einen festen Turnus für die Durchführung einer Ältestenerkennung gibt es von der Heiligen Schrift her nicht. Wenn kein konkreter Anlass eine Ältestenerkennung erforderlich macht (z.B. das Ausscheiden eines großen Teils der Ältesten aus verschiedensten Gründen, eine Vertrauenskrise der Gemeinde zur Ältestenschaft), erscheint es zweckmäßig, dass die Gemeinde in bestimmten Zeitabständen das Vertrauen zu den bestehenden Ältesten bestätigt und Brüder, die in der Zwischenzeit an die Aufgabe herangewachsen sind, zur Ältestenschaft hinzuberuft. Der Gemeinde kann es nur darum gehen, Gottes Wahl zu erkennen und in die (Gemeinde‑) Praxis umzusetzen

8. Welche sind die Voraussetzungen für den Dienst des Ältesten

 

Der Dienst der Ältesten ist trotz der großen Verantwortung ein erstrebenswerter Dienst (1. Tim 3,1). Er ist aber an gewisse Voraussetzungen und Qualitäten gebunden, siehe 1.Tim 3,1-7 und Tit 1,5-9 :

 

Ein Ältester soll

 

  • eine männliche Person sein. Der Dienst der Frauen ist in allen Bereichen der Gemeinde gewollt und unerlässlich. Die Aufgabe der Gesamtverantwortung als Ältester ist vom Neuen Testament her offen-sichtlich bewährten und befähigten Männern zugedacht (1.Tim 2,12).

  • ein gläubiger, der Gemeinde bekannter und bewährter Mann (”kein Neubekehrter”) sein.

  • ein vorbildliches Ehe- und Familienleben führen.

  • Verantwortungsbereitschaft und Leitungsfähigkeiten besitzen und diese im eigenen Familienleben unter Beweis gestellt haben.

  • nüchtern, maßvoll und würdig sein.

  • Gastfreundschaft ausüben.

  • eine Gabe und Befähigung zur lehrmäßigen Unterweisung der Gemeinde besitzen.

  • in seinem sittlichen Leben unantastbar (”kein Trinker, kein Schläger ... nicht geldliebend”  (1.Tim 3,4f).

  • ein gutes Zeugnis bei christusfernen Menschen am Ort und an seiner Arbeitsstelle haben.

  • Wenn auch die in der Schrift an einen Ältesten gestellten Anforderungen hoch sind, so sind doch viele der genannten Eigenschaften Ziele der Heiligung für jeden gläubigen Mann in der Gemeinde, bzw. für jeden Familienvater und daher keine Überforderung. Gnade bedürfen wir alle und Gott ist reich an Vergebung.

  • Die persönliche Motivation des Einzelnen zum Gemeindedienst genügt hier noch nicht.

  • Gewiss, nach 1Tim 3,1 ist es eine gute Sache, wenn jemand ein 'Auf­seheramt' erstrebt. Es kann sein, dass der Einzelne hier schon eine innere Beru­fung spürt, die möglicherweise auf Gottes Ruf zurückgeht. Aber es gibt auch ein Streben aus falschen Motiven. Jakobus warnt: "Brüder, wollt nicht alle Lehrer werden ... " (Jak 3,1). Zur persönlichen Motivation musste auf jeden Fall die Bestätigung durch die Gemeinde kommen. (Auch 1Kor 16,15 darf nicht im sinne einer 'Selbsteinsetzung zum Dienst' mißgedeutet werden!).

  • „Guter Ruf", "voll Geistes", "voll Weisheit"  - wichtig für Älteste (siehe Apg.6,1-7)). 

 

 

9. Die Aufgaben der Ältesten

 

  Die Aufgaben der Ältesten bestehen vornehmlich in der Leitung und Führung der Gemeinde mit geistlicher Autorität und auf der Grundlage der Weisungen der Heiligen Schrift. Sie haben acht auf die ”Herde Gottes” (Apg 20,26ff) und ”hüten” sie als Hirten der Gemeinde (1.Pt 5,2-4). Zu den wesentlichen Aufgaben der Ältesten gehören:

 

·       Das Gebet  


Die Ältesten leiten die Gemeinde Jesu. Deshalb stehen vor Gott für die Gemeinde ein und erbitten sich Weisung und Führung von ihrem Herrn. Das Gebet wurde von den ersten Aposteln als so wichtig empfunden, dass sie sich durch praktische Aufgaben nicht von ihm abhalten lassen wollten und dazu besondere Diakone beriefen (Apg 6,4).         

  

·       Unterweisung der Gemeinde im Wort


Die Ältesten unterweisen die Gemeinde im Wort Gottes (Apg 2,4; Tit 1,9); sie zeigen den Weg zu und mit Christus und rüsten die Gemeindeglieder durch die Verkündigung zu. Auch wenn sie die Verkündigung in der Gemeinde nicht alleine bestreiten müssen, sind sie doch selbst am Wort tätig und haben die Verantwortung für die verkündigten Inhalte. Die Ältesten sind der Gemeinde ein Vorbild nicht nur ”im Wort”, sondern auch ”im Wandel und in der Liebe” (1.Tim 4,12).     

 

·       Geistliche Verantwortung für das Gemeindeleben      


Die Ältesten tragen die geistliche Verantwortung für die Gemeinde. ”So gebt nun acht auf euch und die ganze Herde” (Apg 20,28), ermahnt Paulus die Ältesten in Kleinasien. Die Aufgaben der Ältesten liegen deshalb nicht in erster Linie in verwalterischen und geschäftsmäßigen Dingen innerhalb der Gemeinde, sondern im Wahrnehmen der geistlichen Gesamtverantwortung. Dazu gehört auch die Ausübung des ”geistlichen Wächteramts” (Kol 2,4.8; 1.Joh 4,1; Hbr 13,17), um verderbliche Strömungen und Lehren von der Gemeinde fernzuhalten und abzuwenden.        

   

·       Klärung und Entscheidung geistlicher Fragen aufgrund der Heiligen Schrift      


Als Hirten und Führer der Gemeinde klären Älteste geistliche Fragen, die innerhalb der Gemeinde aufkommen. Aufgrund der Heiligen Schrift und unter Berücksichtigung der konkreten Bedürfnisse und Umstände treffen sie Entscheidungen, die vor Gott verantwortet werden müssen und unter die sich die Gemeinde stellt (Apg 15,1-6).       

 

·       Führung der Gemeinde sowie Förderung und Koordination der vielfältigen Dienste und Aufgaben.         


Die Ältesten koordinieren die vielfältigen Tätigkeiten in der Gemeinde und achten darauf, daß die Gemeinde die von Christus aufgetragenen Aufgaben nach innen (Wachstum der Gemeinde nach Qualität) und außen (Wachstum der Gemeinde nach Quantität) erfüllt. Sie setzen die in der Schrift genannten geistlichen Ziele in konkrete Schritte für die Gemeinde um. Dazu gehört als wesentliche Aufgabe auch die Berufung und Zurüstung von Mitarbeitern.     

·       Ermahnung und Zurechtweisung im Sinne biblischer Gemeindezucht  


Die Ältesten tragen Sorge um das Wohl der einzelnen Gemeindeglieder sowie der gesamten Gemeinde, besonders in geistlicher Hinsicht. Dazu ermutigen und ermahnen sie und üben im Sinne des Neuen Testaments Gemeindezucht aus, wo sie notwendig wird (Tit 1,9; 1.Thess 5,12).

 

Der Älteste als Diener

 

Jesus stellt in Mt.20,25-27 zwei verschiedene Autoritätsmodelle gegenüber und macht den Unterschied deutlich:

 

"Jesus rief sie heran und sprach: ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie üben.. Unter Euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein…".

 

Jesus stellt unser Verständnis von Autorität auf den Kopf, bzw. er stellt das auf dem Kopf stehende Bild wieder auf die Beine. Der Leiter ist nicht mehr der Herrscher und Machtausübende sondern der Diener aller. Er gibt sich hin für den Dienst an seinen Gemeindemitgliedern. In manchen Gemeinschaften und Gemeinden wurde diese Lehre Jesu leider falsch interpretiert, bzw. falsch in die Praxis übertragen, nämlich: Der Leiter soll alles machen und den Dienst der Gemeinde tun. Er soll die Last der Verantwortung tragen - dafür wird er auch bezahlt. Die hierarchische Pyramide von der weltlichen Machtausübung wurde in diesem Sinne einfach umgedreht. Das ist ein falsches Verständnis von biblischer Leiterschaft. Auch der Älteste ist mitverantwortlich für die „Zurüstung der Heiligen zum Dienst“. Das heißt: Nicht nur der Älteste tut den Dienst in der Gemeinde, sondern alle Gemeindemitglieder sollen fähig werden den vielfältigen Dienst zu tun. Als Leiter ist der Älteste dann ein Helfer, ein Ermöglicher für den Dienst aller in der Gemeinde. 

 

Der Älteste als Vater  

 

Normalerweise sind Älteste auch Väter. Sie sind verantwortlich für eine Kernfamilie mit Frau und Kindern. Zur Zeit der frühen Gemeinde bestand die Familie in einem Haus immer aus mehreren Generationen, sie war auch die Gemeinde innerhalb einer größeren Stadtgemeinde. In der Eigenschaft als Vater verkörpert der Älteste nicht nur eine Autorität, auf die geachtet werden soll, sondern er symbolisiert auch die Liebe, Wärme und Fürsorge für seine Kinder und für alle Familienmitglieder. Er ist verantwortlich für das ganze Geschen im Hause. Er steht stellvertretend vor Gott für die Seinen im Gebet. Er gibt den Kindern den notwendigen Schutz – er wirkt mit der Mutter und mit den ältesten Kindern zusammen für die ganze Familie.

 

Die Ältesten und die Herde

 

Die große Herde wird poimne genannt (Mt.26,31; Luk.2,8; Joh.10,16; 1.Kor.9.7) und kommt nicht im Zusammenhang mit den Ältesten und Hirten vor. Die kleine Herde (Herdlein) wird poimnion genannt und wird da genannt, wo es um den Dienst der Apostel und der Ältesten bzw. Hirten geht ( Luk.12,32; Apg.20,28.29; 1.Petr.5,2.3) – das weist darauf hin, dass ein Ältester der Aufseher einer kleinen Gruppe war.

 

Zwei Arten von Ältesten (s. 1.Tim.5,17)

 

Es gibt solche Älteste, die „vorstehen“ und in Predigt und Lehre arbeiten und solche die ihre Leitung durch andere Tätigkeiten ausüben. Es sind immer mehrere Älteste, die im Team zusammenarbeiten und sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten untereinander ergänzen. Zum Beispiel: Lehre, Predigt, Leitung, Organisation, Verwaltung, Seelsorge, Evangelisation, Prophetie

 

Die Ältesten und der Eph.4.11-  Dienst.

 

Die Ältesten wirken auf der ersten Autoritätsebene in der Gemeinde, danach kommt die Autorität der Gemeindeversammlung. Sind die Ältesten nicht funktionsfähig, entscheidet die Gemeindeversammlung. Der fünffältige Dienst (1.Kor.12.28) gilt als zurüstender Dienst und wirkt zunächst in der übergeordneten Gemeinde als Autorität. In der lokalen Gemeinde untersteht er jedoch den Ältesten als Autorität. Er hilft dort den Ältesten beim Aufbau der Gemeinde und bei der Zurüstung der Heiligen zum Dienst. Seine Aufgabe ist es Training und Ausbildung, auch für die Ältesten, in die Gemeinde zu bringen. In diesem Sinne hat der fünffältige Dienst nur die Autorität, die ihm als ein Mandat von den Ältesten und von der Gemeinde gegeben wird. Ist der fünffältige Dienst, durch die Arbeit der Apostel u. Propheten, damit beschäftigt eine Gemeinde von der Gründungsphase an aufzubauen (Evangelisation, Jüngerschaft etc.), wirkt er in der ersten Zeit auch in den Aufgabenbereichen der Ältesten und hat deren Autorität – solange, bis die Jünger zugerüstet sind und aus ihren Reihen die ersten Ältesten sichtbar werden. Wenn die Apostel die ersten Ältesten eingesetzt haben, geben sie ihre Autorität an diese ab. Das ist gut so, denn es schützt die Gemeinde vor der Gefahr der Kontrolle durch die Dienste.

 

 

10.  Die Leitung in der Gemeinde - Die Autorität der Ältesten (von Dick Scoggins)

 

Weil die Gemeinde als Familie Gottes ein einheitliches Zusammenleben praktiziert, sehen sich die neutestamentlichen Leiter nicht als Professionelle und Ordinierte. Im Unterschied zu den anderen Gemeindemitgliedern, sind sie einfach nur die zur Leitung „begabten“ Personen - denn es gibt noch viele andere Gaben im Leib. Die biblische Betonung für ihren Dienst liegt nicht auf der Ordination (Autorität oder Titel), sondern mehr auf ihrer Verantwortung innerhalb des Leibes aufgrund ihrer Begabung und Erfahrung. Wir „ordinieren“ Älteste in den Hausgemeinden mit diesem Verständnis. In Epheser 4 sehen wir, wie die Leiter die Gemeinde vorbereiten und zurüsten, damit sie sich selbst einander dienen können. Deshalb sehen wir die Leiter nicht separat vom Leib, oder über dem Leib funktionieren, sondern wir sehen sie in ihrer Funktion als einen Teil des Leibes, indem sie das tun, wozu sie berufen wurden.

 

Einige Schlüsselprinzipien

 

  1. Leiter in Hausgemeinden sind Väter einer erweiterten Familie. Sie leiten nicht, weil sie einen Titel oder eine Position innehaben, sondern weil ihre natürliche Autorität geachtet wird. Hebr. 13:7,17

  2. Sie leiten in einer natürlichen Art, nicht in einem vorgefertigten Muster, sondern so wie es für die jeweilige Gemeinschaft gerade am besten ist. Pr. 22:6

  3. Sie leiten zum Nutzen der Gemeinschaft und nicht für sich selbst. Gal 5:13, Mt. 20:25-28

  4. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, im Dienen ein Beispiel, ein Vorbild zu sein.1.Pet. 5:3, ITim.4:12

  5. Wie gute Väter einer natürlichen Familie auch, verzichten sie auf Position, Ansehen, sogar auf ihr eigenes Leben für ihre Kinder. Sie werden von echter Vaterliebe motiviert.  Joh. 10:11-13

    Fragen, die bei Ältesten abgeklärt sein sollten:

1. Warum will die betreffende Personen leiten? Denke im Gebet darüber nach, 1.Korinther 3:10-4:5.
2. Wenn ein Leiter widerspenstig ist, warum ist das so - was tust du, damit er dies überwinden kann? 1.Petrus 5:1-5.
3. Wie gut praktiziert ein Leiter Philipper 2:1-4? Besonders dann, wenn es Konflikte gibt?     4. Wie gut sind die Leiter ein Beispiel für die gesamte Herde?

 

Wie sind ihre leiblichen Kinder?

 

Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf Probleme richten, die sichtbar werden in Beziehungen, die Leiter aufbauen. Sind es Beziehungen des Neuen Bundes, in Dienerschaft und Demut unter einer Bruderschaft von Gleichen in der Gemeinde?  Hier wird deutlich, dass Autorität mehr im gesamten Leib Jesu vorherrscht, als in dem individuellen Ältesten. Die Schrift zeigt uns, wie wichtig es ist, dass die Leiter ihre von Gott gegebene Verantwortung wahrnehmen. In 1. Korinther 16:16 sehen wir, wie sich wahre Dienerschaft auswirken soll. „Sie haben sich selbst hingegeben, den Heiligen zu dienen“. Paulus sagt, dass diese Männer sich den Respekt oder die Unterordnung der Gemeinde verdient haben. Paulus befiehlt der Gemeinde sie nicht wegen ihrer privilegierten Position zu respektieren, vielmehr “drängt” er die Leute, sie wegen ihrer Arbeit zu respektieren, in der sie Ihre Verantwortung wahrgenommen haben. Wir lernen davon, dass Respekt und Anerkennung jedem gegeben werden soll, der sich voll in die Gemeindearbeit einbringt, egal ob er Leiter ist oder nicht. Den Leitern wird Respekt und Anerkennung gegeben, wenn sie ihre Verantwortungen erfüllen. In 1.Thessalonier 5:12-13 fordert Paulus die Gemeinde auf, denen die unter ihnen arbeiten Achtung und Respekt entgegen zu bringen, weil sie ihre Verantwortung erfüllen. Autorität entsteht also durch das freiwillige Geben von  Achtung und Unterordnung. Das geschieht, wenn ein Leiter seine Verantwortungen richtig wahrnimmt. Anders ausgedrückt: Achtung und Respekt ermöglicht Autorität – aber Autorität fordert nicht Achtung und Respekt. Wenn ein Arbeiter Gottes unter der Herde verantwortlich arbeitet wird ihm Respekt und Anerkennung entgegengebracht, weil er sich im Auftrag Gottes um die Menschen müht. Wenn ein Hirte seine Aufgaben und Verantwortungen richtig wahrnimmt, kann die Anerkennung der Herde erwartet werden und die Herde erkennt ihn als Autorität an. Wenn der Leiter seine Autorität von der Herde erzwingen will, widerspricht er der Lehre Jesu und verlässt damit echte Autorität.  Wenn der Leiter verantwortlich gedient hat, wird die Herde Vertrauen zu ihm haben und ihm freiwillig folgen und sich „seiner geistlichen Aufsicht“ unterstellen. (Hebr. 13:17), denn dann handelt der Dienerleiter in echter christozentrischer Autorität.

 

Zusammenfassung

 

Leiterschaft in neutestamentlichen Hausgemeinden und auch in anderen Hausgemeinden ist eine Kombination aus Leib- Jesu- Steuerung und Ältesten- Leitung. Der Leib ist für die Entscheidungsfindung, für den aktiven Dienst, für den gemeinsamen Lobpreis, für Seelsorge, für Jüngerschaft und für Evangelisation verantwortlich Die Ältesten sind für die Leitung, für das Wachhalten der Vision, und für die Gesamtaufsicht verantwortlich. Sie achten darauf, dass der ganze Leib optimal versorgt wird. Das Training der einzelnen Glieder für den Dienst wird von ihnen aber auch von anderen wahrgenommen. (mehr darüber im Kap. 14 "Developing a Vision Statement".) Das NT liefert uns keine fertigen Muster für Wachstum und für die Reproduktion von Gemeinden. Der Herr stellt es jeder Gemeinde frei, sich selbst eine geeignete Leiterschaftsstruktur zu geben, solange diese nicht den biblischen Prinzipien und Gesetzen widerspricht. 

 

Älteste: Die Apostel des Neuen Testaments benannten Älteste, die vor Gott für den Zustand der Gemeinde (= Netzwerk an Hausgemeinden) verantwortlich sein sollten (Apg.20,28; 1.Tim3,17, Titus 3,5-9). Diese Männer dienten in ihrer Art als Beispiele für andere. (1.Petr.5,14). Gewöhnlicherweise  war der Mann des Friedens unter ihnen. Sie dienten als Väter in der Gemeinde, indem sie die Gemeindeglieder liebten, sich um sie kümmerten, und sie wie Schafe hüteten zur guten Weide führten. Ihr Ziel war es, wie bei allen guten Vätern (und Müttern), reife Frauen und Männer hervorzubringen, die fortzufahren würden, das Reich Gottes weiter aufzubauen, nachdem die sie gegangen waren. Die Ältesten hatten mehr die Aufsicht über das gesamte Netzwerk, als über die einzelne Gemeinde.

 

Epheser 4,11 Dienste: Diese sind begabte Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer im Netzwerk der Hausgemeinden (und/ oder in anderen Netzwerken). Diese Leute haben nicht automatisch eine Autoritätsposition in den Gemeinden inne, vielmehr beeinflussen sie die ganze Gemeinde indem sie ihre besonderen Gabe einsetzen und damit die Heiligen im gesamten Netzwerk zurüsten. Die Ältesten sind dafür verantwortlich, dass die Epheser 4 Dienste im Leib Jesu gut zum Einsatz kommen. Auch von anderen Netzwerken sollten diese Dienste und die Apostolischen Teams eingeladen werden damit der ganze Leib auferbaut wird. Die Epheser 4,11 –Dienste dienen unter der Autorität der Ältesten. Deshalb können das sowohl Männer als auch Frauen sein. Apostel sollten regelmäßig von den Ältesten eingeladen werden.

Bezogen auf Leiterschaft sind die Apostel mehr damit beschäftigt, den Charakter und das Leben derer aufzubauen, die sie als nächstes in Leiterschaft sehen, anstatt sich um die Strukturen der Gemeindeleitung zu kümmern. Wir sehen, wie zwei Arten von Leiterschaft in Erscheinung treten. Einerseits sehen wir eine zeitlich begrenzte Leitung, bei reisenden Lehrern, wie Paulus, der Gemeinden gründete – er übte nur solange Leitung aus, bis lokale Leiter in den Gemeinden erkannt wurden, trainiert wurden und eingesetzt wurden.  Andererseits sehen wir auch lokale Leiterschaft, die von dauerhaften Ältesten ausgeübt wurde. In jeder dieser Situationen stehen die Ältesten stets im Plural.

 

Leitung in verschiedener Art in der Gemeinde:

 

v      alle Heiligen

v      Diakone

v      Älteste

v      Dienste

 

siehe: „Paulus (der Apostel) im Brief an die Philipper: ...allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern und Dienern.“ (Phil.1.1)

 

QUELLENNACHWEIS:

 

1) Biblisch begründete Leiterschaftsstruktur, Alexander Strauch, USA

2) Der Dienst der Ältesten in der Gemeinde, Wolfgang Klippert, BRD

3) Der Bau miteinander vernetzter Hausgemeinden, Dick Scoggins, UK

4) Gemeindedemokratie oder Führungsverantwortung der Ältesten, Dr. Helge Stadelmann, Gießen

5) Eigene Gedanken von Richard Schutty